Archiv der Kategorie: Erfahrungsbericht

Immer wenn es regnet

Die Zeit zwischen den Jahren produziert mitunter merkwürdige Gefühlslagen. Für mich fühlt sich dieser ruhige Abschnitt des Jahres an wie ein Luftholen vor dem Sprung vom Drei Meter Brett. Man steht dort und genießt die Ruhe in Erwartung eines kühnen Sprungs in das erfrischende kühle Nass. Abgerundet wird das wohlige, spannende Gefühl von der Aussicht auf ein entspannendes Sonnenbad. Dafür nimmt man auch das leichte Frösteln, wenn man aus dem Wasser steigt, in Kauf. Das alte Jahr mit seinen Mühen liegt hinter einem und man kann entspannt die Ruhe genießen mit der Gewissheit, dass es im neuen Jahr weitergehen wird. Genährt wird dieses Luftholgefühl von der Tatsache, dass die Welt zwischen den Jahren gezungenermaßen angehalten wird und einem nichts anderes übrig bleibt als Luft zu holen. Selbst ein paar mickrige Arbeitstage verlaufen zwischen den Jahren meist nach ihren eigene Gesetzen. Die Menschen sind irgendwie besinnlicher, freundlicher oder (wenn es schlecht läuft) suizidal. Sie wirken befreit. (Das gilt auch für Letztere wenn der Entschluss gefasst ist).

Gut möglich, dass mir meine Wahrnehmung jedes Jahr aufs Neue einen Streich spielt und ich meine eigenen Gefühle auf meine Mitmenschen übertrage. Doch hat dieser Zauber über viele Jahre getragen. Ob Wahrheit oder Selbstbetrug, ich habe es jedenfalls immer genossen. Dieses Jahr war es anders. Um beim Bild zu bleiben. Das Wasser wurde aus dem Springerbecken gelassen, während ich gerade beim Luftholen war. Jetzt stehe ich da oben, werde langsam blau und warte, dass es weitergeht. Keine Überwindung, kein Sprung, kein Flug, kein Eintauchen, keine Erfrischung, kein Frösteln und kein Sonnenbad in Aussicht.

Ich hätte es ahnen mussen. Die Weihnachtszeit verlief im Jahr 2020 schon merkwürdig. Kein Nikolausbesuch, keine Weihnachtsmärke, geschlossene Einkaufsstraßen und Kontaktbeschränkungen. Gottesdienstplätze wurden so heiß gehandelt wie EM Tickets. Das Virus hat uns ganz schön ausgebremst. Mit gesunder Naivität bin ich trotzdem in die schaurig, schöne Zeit „zwischen den Jahren“ gegangen. Doch ohne Anspannung gibt es keine Entspannung. Dieses Mal war es lauwarm. Alles plätscherte so dahin. Die ruhige Weihnachtszeit habe ich noch genossen, doch dann fehlte mir die Entspannung nach dem Stress. Jetzt wundere ich mich, dass das neue Jahr nicht beginnen will. Es bleibt lauwarm. Alle scheinen scheinen von zu Hause aus zu arbeiten und es gibt wenig Gründe das Haus zu verlassen. Manchmal stelle ich mir vor, wie meine Geprächspartner mit ihren Telefonen in der Badewanne sitzen, während wir über irgendwelche Antragsverfahren sprechen. Die Schulen werden zwar nicht geschlossen aber die Kinder dürfen nicht hingehen. Bei der Arbeit tragen wir alle Masken und sollen unseren Schreibtisch beim Essen nicht verlassen. Thai Curry geht von einer PC Tastatur echt schlecht weg. Erste Erkenntisse aus dem Jahr 2021. Meine Bundeskanzlerin sagt, dass mir die härtesten Monate erst noch bevorstehen. Ich muss zugeben, das sorgt alles für ein wenig Verdruss. Aber jammern hilft ja nicht. Irgendeinen Schuldigen suchen zu wollen, ist auch nicht zielführend. Ich erkläre das Sofaliegen einfach zur Kunstform, schließe die Augen und stelle mir, mich in mitten eines Menschengedränges, vor. Das war vor einem Jahr für mich ein beängstigender Gedanke, der mir nun Trost spendet. Für 2021 wünsche ich mir das Gefühl zwischen den Jahren zurück.

Der Titel ist mir ürigens zwischen den Jahren unter der Dusche eingefallen als ich Max Herre im Radio hörte. Ich möchte ihn einer Freundin widmen, die sich vor knapp 30 Jahren das Leben genomen hat. Ob noch jemand anderes ab und zu an sie denkt?

Niklaus kommt nicht in unser Haus

Zum Nikolaustag mussten wir dieses Jahr den Nikolaus leider wieder wegschicken. Meine Zwillinge sind dummereise vor zwei Monaten vierzehn Jahre alt geworden und somit laut Coronaverordnung erwachsen. Mit meiner Wenigkeit, meiner Frau und meiner ältesten Tochter sind wir also fünf erwachsene Personen in einem Haushalt. Besuchen darf uns momentan eigentlich niemand über vierzehn Jahren. Mein jüngster Sohn darf seine Freunde empfangen, da er das magische superspreader Alter von vierzehn Lebensjahren noch nicht überschritten hat. Das ist Logik in Zeiten von Corona. Wir haben kurz überlegt, ob wir nicht ein halbwüchsiger Freund meines Jüngsten als Nikolaus engagieren sollen. Das wäre aber noch alberner als sonst. Die Moralpredigt müsste dieses Jahr also ausfallen und der Überbringer der Geschenke trug keine Bischofsmütze, sondern eine gelbe DHL Jacke. Auf unsere Frage, ob der Besuch des Nikolaus eher privater oder gewerblicher Natur ist konnte uns niemand so recht eine Antwort geben. Da scheint es Unterschiede zu geben. Die Wirtschaft muss ja schließlich laufen. Der Klavierlehrer darf ins Haus, die Oma muss draußen bleiben? Seit ich meiner Mutter gesagt habe, sie soll sicherheitshalber während eines Besuch bei uns eine halbe Stunde gegen Entgelt putzen, mag sie nicht mehr kommen.

Ich habe es ehrlich gesagt aufgegeben im Internet nach den aktuellen offiziellen Verordnungen zu suchen. Den Mitteilungen in der Presse fehlt es oft an Genauigkeit. Da wird dann auf einmal von zehn möglichen Kontakten aus einem Haushalt schwadroniert. Warum nicht zwanzig Personen aus einem Haushalt? Die Familie oder Wohngemeinschaft mit der Personen stärke möchte ich sehen. Ich habe mir einfach einen großen Interpretationsspielraum eingeräumt. Mit Interesse habe ich gelesen, dass die hessische Landesregierung nur Empfehlungen zu Kontaktbeschränkungen ausgesprochen hat, da es für Verbote in der eigene Wohnung eigentlich keine Rechtsgrundlage gibt. Da ich keine Rechtsschutzversicherung habe, werde ich die Lösung der Coronakrise allerdings nicht mit Rechtsmitteln angehen. Ich versuche es einfach mit gesundem Menschenverstand. OK, ich weiß, dem sind schon viele Menschenleben zum Opfer gefallen, aber mir fällt sonst nichts besseres ein. Ich habe also vier Kinder (drei davon seit neusten erwachsen) in vier verschiedenen Schulklassen. Meine Frau arbeitet in einer Schule in der Kinderbetreuung und ich in einer Beratungsstelle. Da kommen schon ein Haufen Kontakte zusammen. Drei von uns dürfen also beschränkungskonform Oma und Opa, bzw. Eltern besuchen. Der zwölfjährige hat Narrenfreiheit und darf sich nach belieben an jedes Familienmitglied hängen. Einen beißen die Hunde. Einer muss bei Familenbesuchen zu Hause bleiben oder bei Besuch das Haus verlassen. Nach dem Motto: „Oma kommt. Wir machen Schnick, Schnack, Schnuck wer so lange in den Garten gehen muss.“ Jeder einzelne von uns darf einen anderen Haushalt besuchen. Wenn man sich das so anschaut spürt man ein bisschen die Verzweiflung, die den ganzen Verordnungen zugrunde liegen. Sich in diesen Zeiten einzuschränken, um Menschenleben zu retten, finde ich nicht zu viel verlangt. Die Frage, die uns alle umtreibt ist die der Angemessenheit. Das Bedürfnis zu leben, steht hier der Gefahr einer tödlichen Erkrankung gegenüber. Soll man alles was das Leben ausmacht unterlassen, um sein (ja was eigentlich? Sein Leben? Seinen Körper? Seine Hülle?) zu schützen? Soll die alleinstehende Oma an Weihnachten alleine zu Hause sitzen, nur weil sich jemand die Zahl von fünf Kontakten und die Grenze von vierzehn Jahren ausgedacht hat? Ich finde das nicht angemessen. Sollten die Kontaktbeschränkungen über Weihnachten nicht wie geplant gelockert werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich zum Gestzesbrecher werde. Ich werde dann trotzdem nicht zur Querdenker Demo gehen und mir auch keinen Aluhut basteln. Regeln, die familiäre Kontakte verbieten, während die wirtschaftliche Tätigkeit uneingeschränkt weiterläuft, finden nicht meine Zustimmung. Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine. Es sollen auch schon Menschen an Vereinsamung gestorben sein. Wenn Josef und Maria am Heilg Abend bei mir klingeln und eine Herberge suchen, werde ich sie wohl reinlassen. Das Christkind dürfet kein Problem darstellen. Es ist ja unter vierzehn.

Schöne Adventszeit und Prost Mahlzeit

Positives Denken

Ich bin ein positiver Mensch. Jetzt kam sogar noch ein positiver Coronatest dazu. Zur Krankschreibung kommt nun also eine Quarantäne. Meine Hausärztin meinte, dass sich sich das Gesundheitsamt bei mir melden wird und meine Familie ebenfalls testen wird. Wir sollen erst mal bis auf weiteres das Haus nicht verlassen. Meine Kinder waren ganz begeistert nicht in die Schule gehen zu müssen. Krank fühlen sie sich nicht.

Bei mir fing alles mit ein bissschen Schwindel und Erschöpfung an. Ich habe mich nach der Arbeit ins Bett gelegt und geschlafen. Das wäre ganz angenehm gewesen, wenn nicht diese fürchterlichen Gliederschmerzen dazu gekommen wären. Alle Gelenke schienen zu schmerzen. Nach meinem letzten Geburtstagsfest hatte ich einen fürchterlichen dreitägigen Kater. Daran fühlte ich mich erinnert. Ich habe schon gedacht es ist ein Rheumaanfall. Damit hatte ich allerdings nie etwas zu tun gehabt. Zum Höhepunkt dachte ich, dass mir jemand mit einem Messer im Schultergelenk herumbohrt. Nach drei Tagen war der Spuk vorbei.

Zur Feier des Tages bestellten wir Pizza. Meine Lieblingspizza frutti de mare schmeckte allerdings nur nach Pappe. Das war sehr ungewöhnlich, da unsere Italiener für gewöhnlich recht schmackhafte Speisen in einem Holzofen herstellt. Als meine Klamotten auch nach mehreren Tagen den Geruchstest noch problemlos zu bestehen schienen kam mir ein Verdacht. Weder der Biss in eine Zitrone, noch das Einsprühen mit Parfum zeigten die gewünschte Reaktion. Ich kann weder etwas riechen noch schmecken. Nur eine grobe Unterscheidung, ob salzig oder süß scheint möglich. Säure, Salat oder Butter erkenne ich an der Konsistenz beim Kauen. Ein äußerst freudloses Dasein. Gestern habe ich ein Eukalyptusbonbon gelutscht, das auch eine Murmel oder ein Klostein hätte sein können.

Das positive an dem Ganzen? „Jetzt hast du das wenigstens hinter dir“, sagte mir ein Freund am Telefon. Vielleicht ist es das. Es bleibt natürlich die Sorge, ob ich jemanden in meinem Umfeld angesteckt haben könnte. Es beginnt die unvermeidliche Rechnerei über mögliche Ansteckungszeiten und die Spekulation über mögliche Ansteckungsorte. Ich bin zu dem Schluß gekommen mich bei meinem Sohn angesteckt zu haben, der in den Ferien Fieber hatte. Vielleicht war es aber auch ganz anderes. Ähnliche unkonkrete Antworten kann ich den besorgten Eltern der Klassenkameraden meiner Kinder geben. Ich weiß leider nicht, ob sich meine Kinder angesteckt haben oder selbst ansteckend waren.

Nett ist, dass sich viele angeboten haben für uns einkaufen zu gehen. Ich beziehe jetzt mal wieder Position auf meinem Sofa und träume von einem schmackhaften Biss in irgendwas.

Monopoly- Corona edition

Mittwochs ist unser medienfreier Tag. Wir zwingen unsere Kinder aus pädagogischen Gründen sämtliche Tablets, PCs und Smartphones ausgeschaltet zu lassen. Sobald die Schule beendet ist und die Freizeit beginnt macht sich zuerst eine allgemeine Unruhe breit. Ziellos umherschweifende Kinder mit schlendernden Armen oder in depressiver Verstimmung verfallende Pubertierende, die auf Sofas liegend Löcher in die Luft starren. Meistens habe ich große Freude an diesem Selbstfindungsprozess, bis mir dann bewusst wird, dass ich mit gutem Beispiel vorangehen muss und und mich leider nicht vor die Glotze verziehen darf. Wer A sagt muss auch B sagen. Ich versuche meiner Familie in solchen Fällen gerne mal ein Gespräch aufzudrücken. Das ist meistens wenig erfolgreich, hat aber auch schon funktioniert. Schallplatten hören finde ich auch ganz hervorragend. Die anfängliche Begeisterung über diese antiquierte Technik hat sich beim meinem Nachwuchs allerdings längst gelegt. Aus lauter Verzweiflung greifen wir schlussendlich zum guten alten Brettspiel. Ich mag ja Klugscheißer Spiele a la Trivial Pursuit. Meistens sind aber Klassiker wie Monopoly, Siedler oder „Mensch Ärgere Dich nicht“ angesagt. Letzteres versuche ich meistens zu boykottieren, da ich mich bei diesem Spiel oft ärgere. Da ist also noch Luft nach oben in meiner persönlichen Entwicklung. So haben wir letzten Mittwoch also mal wieder Monopoly gespielt und auf meinem Weg zum Ziel kamen mir dauernd unbequeme Ereignisse und Rückschläge in die Quere. Wie im richtigen Leben sozusagen. Wobei das richtige Leben zur Zeit irgendwie unglaubwürdiger ist, als eine Ereigniskarte eines Monopoly Spiels.

So möchte ich zum Beispiel am Montag im Rahmen meiner Betriebsratsarbeit eine Fortbildungsreise nach Hamburg antreten. Wäre diese Reise Teil eines Brettspiels hätte ich vor Corona dafür etwa drei Spielzüge machen müssen. Erster Zug: „Finde das notwendige Fortbildungsangebot zur richtigen Zeit am passenden Ort.“ Zweiter Zug: „Überzeuge deine Familie, dass sie eine Woche ohne dich auskommt.“ Dritter Zug: „Überzeuge deine Kollegen und deinen Arbeitgeber, dass diese Reise notwendig ist.“ Realistische Ereigniskarten, die das Vorhaben torpedieren könnten wären Erkrankungen oder eine mehrtägige Verspätung der Deutschen Bahn. Seit Corona sind aber viel merkwürdige Ereigniskarten hinzugekommen: „Die Stadt in der sie Leben hat eine Inzidenz von über 50 Erkrankten auf 100000 Einwohner. Setzen Sie eine Runde aus.“ Letztes Jahr hätte ich mich noch gefragt was mir der Autor mit diesem Satz sagen möchte und an seinem Verstand gezweifelt. Heute hingegen ziehe ich eine weitere Karte auf der steht: „Hamburg hat ein Beherbergungsverbot für Reisende auf Risikogebieten erlassen.“ Ja so ein Scheiß Spiel. Von einem Beherbergungsverbot habe ich noch nie was gehört. Das gibt es doch gar nicht. Wer hat sich das den ausgedacht? Diese fiesen Spielentwickler. In der Spielanleitung im Internet kann man anschließend widersprüchliche und unklare Anweisungen lesen, wie das Siel weitergeht: „Bitte würfeln Sie. Bei geraden Zahlen gilt die Regelung zum Beherbergungsverbot aus Rheinland Pfalz. Touristische Reisen bleiben verboten aber Geschäftsreisen erlaubt.“ Mist, ich habe elf gewürfelt. Nächste Karte: „Sie müssen einen negativen Corona Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.“ Prima. Wo bekommt man am Montagmorgen einen negativen Corona Test her? 48 Stunden zurück gerechnet von der geplanten Ankunft im Hotel. Das ergibt Samstag 15 Uhr. Da ist mein Hausarzt für gewöhnlich auf dem Golfplatz. In der Spielanleitung steht immerhin: “ Sie können ein Corona Testzentrum in Ihrer Nähe aufsuchen, welches täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet ist. Wählen Sie zwischen einem Test bei dem das Ergebnis in 12 Stunden oder einem 6 Stunden vorliegt. Bedenken Sie, dass die Testung für den 12 Stunden Test bis 14 Uhr erfolgen muss und die Testung für den 6 Stunden Test bis 15 Uhr, um das Ergebnis fristgerecht zu erhalten. Bei späterer Testung erhalten Sie das Ergebnis am Folgetag bis 11 Uhr, bzw. 10 Uhr.“ Ich liebe Knobelspiele. Ich möchte montags um 11 Uhr in den Zug steigen. Zwölf Stunden zurück gerechnet ergeben Sonntag 11 Uhr. Ein bisschen früher brauche ich das Ergebnis aber schon. Ich könnte gleich um 8 Uhr ins Testzentrum fahren. Wie ist eigentlich die Wartezeit dort? Mit Offenbach und Frankfurt am Main sind in den letzten zwei Tagen fast eine Millionen Menschen zu Bewohnern eines Risikogebietes erklärt worden und das mitten in den Ferien. Wie ich mich kenne ziehe ich eine Ereigniskarte auf der steht: „Im Testzentrum herrscht ein Gedränge wie auf der letzten Loveparade in Duisburg.“ Oder noch schlimmer, es herrschen Zustände wie am Buffet der letzten Donauschifffahrt an der ich, in einem Zustand geistiger Umnachtung, teilgenommen habe. Ich gehe besser schon samstags oder mache einen 6 Stunden Test, der allerdings doppelt so teuer ist. Mit Attest und Identifikationsbestätigung fast 200 €. „Bei geraden Zahlen erhalten Sie die Genehmigung Ihres Arbeitgebers für einen 6 Stunden Test und bei ungraden für einen 12 Stunden Test. Würfeln Sie ein Pasch, ist Ihr Personalchef im Urlaub.“ Ich werfe natürlich ein Pasch. Was nun? Die Vertretung macht mir Mut. Es wird schon erstattet werden. Die Aussage gehört aber eigentlich nicht in ihren Kompetenzbereich. Komische Karte. Dann hau ich mal nicht so auf den Putz und gönne mir das Sparprogramm. Besuch des Testzentrum für einen Standardtest mit Testergebnis innerhalb von 12 Stunden für 59, 90 €. Identifikationsbestätigung für 9 €, bitte hier klicken. Was zum Teufel ist eine Identifikationsbescheinigung? In der Spielanleitung steht nichts erhellendes. Ärztliches Attest 25 € extra. Ich ziehe einfach mal eine neue Karte: „Die nette Dame an der Rezeption im Hamburger Hotel hat auch noch nie was von einem Beherbergungsverbot gehört und weiß auch nicht welche Unterlagen vorgelegt werden müssen. Sie braucht nur ein Stück Papier auf dem steht, dass Sie kein Corona haben.“ Ich schreib es einfach auf ein Stück Klopapier. Oder lieber nicht, es konnte demnächst wieder Mangelware werden. Das Problem beim Monopoly ist, dass jede Familie ihre eigenen Regeln hat. Das steht sogar in der Spielanleitung unseres Monopolyspiels. Das Spiel würde sich aus diesem Grund unverhältnismäßig in die Länge ziehen. Es wird auf die Einhaltung einheitlicher offizieller Regeln verwiesen. Bei dem blöden Corona Spiel gibt es aber keine einheitlichen Regeln. Nächste Karte: „Nach wildem Klicken auf der Website haben Sie einen Standardtest mit Attest gekauft. Die Bestellung eines Identifikationsnachweises ist an Ihren mangelhaften IT Kenntnissen gescheitert. Sie konnten Ihre Passnummer nicht mehr nachträglich eintragen. Würfeln Sie. Bei geraden Zahlen benötigt das Hotel unbedingt einen Identifikationsnachweis. Bei ungraden Zahlen verlangt das Hotel überhaupt nichts. Bei einem Pasch erfahren Sie das erst vor Ort nach der Anreise.“ Ich habe natürlich ein Pasch gewürfelt. Wenn ich in Hamburg unter der Brücke schlafen muss habe ich zumindest ganz neue Erfahrungen machen dürfen. Na gut, weiter geht es.“ Es ist Ihnen gelungen im Testzentrum am Frankfurter Flughafen innerhalb von 5 Minuten einen Corona Test zu absolvieren ohne die Mitarbeiterin mit dem Wattestäbchen in Ihrem Rachen vollzukotzen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Samstagsausflug.“ War es das jetzt? Habe ich das Spiel gewonnen? In einem Anflug von Leichtsinn nehme ich noch eine Karte. „Sie berechnen die Zeit von der Entnahme der Probe bis zur geplanten Ankunft im Hotel neu und stellen fest, dass Sie lediglich elf Minuten haben um vom Bahnhof zum Hotel zu gelangen. Das ist eine Punktlandung. Vorausgesetzt, die Deutsch Bahn bringt sie pünktlich ans Ziel“. Oh Gott, ich bin verloren. „Würfeln Sie. Bei geraden Zahlen gelingt es Ihnen nach einem dreißig minütigen Aufenthalt im Reisezentrum der Deutschen Bahn Ihr Ticket auf einen früheren Abreisetermin umzubuchen und stressfrei nach Hamburg zu reisen. Bei ungeraden Zahlen haben Sie ein Sparticket gekauft, welches nicht stornierbar ist, Sie Geizhals. Bei einem Pasch haben Sie sich auf dem Weg in das Testzentrum im Gedränge in der S Bahn mit Corona angesteckt.“

Nee oder? Das nächste Mal spiele ich lieber „Mensch ärgere Dich nicht“ mit. Ich glaube ich geh jetzt mal Klopapier kaufen.