Alles für die Katz Teil 14

Was bisher geschah Teil 13

Als Thomas Herrn Schaffernicht vor der Unterkunft erblickte überkam ihn eine Welle der Erleichterung. Er hielt den Wagen direkt vor der dem Tor. Als er Ausstieg sprang der Hund schwanzwedelnd hinter ihm her und beschnüffelte den Wartenden. „Da bist du ja mein Lieber. Hast mich gleich wiedererkannt? Ja. Du Süßer“, grüßte Herr Schaffernicht das Tier und streichelte es ausgiebig. Thomas zeigte auf das Auto und sagte: „Die Katze ist im Auto.“ Herr Schaffernicht schaute kurz durch die Heckscheibe in den offenen Kofferraum und erwiderte: „Schön. Wo ist den Sabine? Sie ist heute Nacht nicht wiedergekommen.“ Thomas erklärte: „Es gab ein kleines Problem mit der Polizei. Wir werden die Sache heute ohne sie durchziehen müssen.“ „Es ist jetzt halt nix gepackt. Immer wenn es ernst wird stehe ich alleine da“, bemängelte Herr Schaffernicht und fügte hinzu: „Ich glaube ich gehe mal mit dem Hund Gassi. Der muss bestimmt mal nach der langen Fahrt.“ Thomas beschloss die Zügel anzuziehen und sagte: „Herr Schaffernicht, eigentlich hätten Sie das Zimmer bis 12 Uhr räumen müssen. Die Kostenzusage endet heute und wir müssen noch alles in die Wohnung bringen. Wenn sie Pech haben entsorgt das Hotel ihren Kram heute Abend.“ Eigentlich müsste für einen Auszug gegen den Willen der Bewohner aus einem Wohnheim ein Räumungstitel erwirkt werden und die Sachen müssten für vier Wochen eingelagert werden. Der Betreiber hatte diese lästige Pflicht wahrscheinlich umgehen wollen und das ehemalige Bürogebäude kurzerhand als Hotel deklariert. Ein Schmierzettel mit der Aufschrift Hotel würde einem gerichtlichen Prüfungsverfahren sicher nicht standhalten, aber das verschwieg Thomas Herrn Schaffernicht geflissentlich. Er wollte keinen juristischen Feldzug starten, sondern einen Umzug über die Bühne bringen. Murrend folgte Herr Schaffernicht Thomas auf das Zimmer und half alle herumliegenden Dinge in Müllsäcke zu stopfen.

Als sie die Wohnung von Frau Feyerabend mit den Plastiksäcken in der Hand betraten, war Thomas etwas enttäuscht. Die Küchenzeile stand lediglich halb montiert mitten im Wohnbereich. Das Sofa stand noch verpackt daneben. Wenigstens war die Wohnung frisch tapeziert und gestrichen. „Da fehlen ja die Fußleisten und die Lampen“, stellte Herr Schaffernicht fest. Thomas schaute ins Schlafzimmer und stellte erleichtert fest, dass das Bett fertig montiert war. „Ich frag mal den Hausmeister wo die sind. Als nächstes müssen wir uns um den Strom kümmern. Wahrscheinlich muss Frau Feyerabend ein Darlehen für die Stromschulden beantragen.“ Bei einer monatlichen Rückzahlungsrate von 50 Euro würde Frau Feyerabend grob überschlagen 20 Jahre für den Umzug und die Folgekosten zahlen müssen. Hoffentlich lebte überhaupt noch so lange. Wer die Kosten für den Kammerjäger übernahm war Thomas nicht klar. Es war vermutlich wie in der Kneipe. Wer bestellte musste auch bezahlen. Die Wohnungsbaugesellschaft würde allerdings versuchen sich das Geld von der Mieterin zurückzuholen. Zum Glück hatte er damit nichts mehr zu tun. Er rief in der Werkstatt für Behinderte an und ließ sich mit dem Gruppenleiter verbinden. Da sie gestern nicht fertig geworden waren wollten sie morgen weitermachen. Ohne Schlüssel wären sie heute nicht in die Wohnung gekommen. Das war richtig, musste Thomas einräumen. Herr Schaffernicht versprach die Handwerker morgen früh hereinzulassen. Thomas trug die Transportbox mit der Katze in die Wohnung und überließ es Herrn Schaffernicht die Türe zu öffnen. Das Tier flitzte sofort hinter das Sofa, um sich zu verstecken. Nachdem die restlichen Sachen samt Katzenklo und Futter ausgeladen waren verabschiedet sich Thomas. Herr Schaffernicht bedankte sich und ging mit dem Hund spazieren. Merkwürdigerweise stellte sich bei Thomas kein Gefühl der Erleichterung ein. Es war vielmehr ein Gefühl der Leere. Er kannte das von Prüfungen und Projekten, die viel von ihm verlangt hatten. In ein paar Tagen würde er klarer sehen und die Geschehnisse richtig einordnen können. Immerhin war das Ziel die Wohnung vom Ungeziefer zu befreien geglückt. Frau Feyerabend würde bestimmt bald entlassen werden und die beiden könnten es sich in ihrer Wohnung gemütlich machen. Er würde jetzt noch eine Weile mit Berichten und der Wiederherstellung des Stromanschlusses beschäftigt sein. So schlecht war es unter dem Strich doch gar nicht gelaufen, entschied er.

Am nächsten Tag telefonierte er mit mit Herrn Bruchtal von der Wohnungsbaugesellschaft. Die Fußleisten würden demnächst moniert und die Mieterin schriftlich über den Termin informiert. Thomas bedankte sich und bat ebenfalls über den Termin informiert zu werden. Das würde er als Anlass nehmen das Paar zu besuchen und Frau Feyerabend noch den Antrag für das Darlehen für die Stromschulden unterschreiben zu lassen. Das Telefon klingelte kurz nachdem er das Gespräch beendet hatte erneut. Thomas hasste Büroarbeit. Den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen war ihm ein Greul. Zu seine großen Überraschung war Frau Feyerabend am Telefon. „Hallooo, rief sie gut gelaunt ins Telefon. Ich bin noch im Hotel Gitterblick. Mein Verteidiger ist aber bester Dinge, dass ich bald wieder raus komme. Die wollen wohl ein paar Strafen bündeln oder so etwas. Er sitzt hier gerade neben mir, wenn Sie ihn sprechen wollen.“ Thomas ließ sich den Verteidiger geben und fragte wie lange Frau Feyerabend noch in Haft sei. Dieser antwortete: „Schwer zu sagen. Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Ich denke wir kommen unter 6 Monaten weg. 4000 Eigentumsdelikte sind kein Klacks.“ Thomas wusste, dass bei Haftstrafen über 6 Monaten keine Mietzahlungen durch die Ämter übernommen wurden. Eine Haftstrafe über diesen Zeitraum hinaus bedeutete den Wohnungsverlust aufgrund von Mietschulden. Thomas bedankte sich und ließ sich Frau Feyerabend zurückgeben. Er bat sie die Anträge für die Übernahme der Stromschulden und der Mieten während der Haftzeit zu unterschreiben und an das Sozialamt weiterzuleiten. Da sie dem Arbeitsmarkt im Knast nicht zur Verfügung stand hatte die Zuständigkeit wieder vom Jobcenter zum Sozialamt gewechselt. Das Paar war wirklich ein Fass ohne Boden. Chaotische Klienten und kleinliche Ämter waren die beste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Sozialarbeiter. Als er das Gespräch beendet klingelte es gleich wieder. Das ist ja wie im Call Center, dachte Thomas verärgert. Es war der Gruppenleiter der Werkstatt für Behinderte. Er stand mit seinen Leuten vor der Wohnungstüre des Paares und kam nicht rein. Mist! Thomas wusste nun auch nicht weiter. Er hatte Herrn Schaffernicht gebeten wegen der Handwerker zu Hause zu bleiben. Er würde ihn einfach bitten sich selber mit der Werkstatt wegen des Aufbaus der restlichen Möbel in Verbindung zu setzen. Nach dem ganzen Stress und Chaos der letzten Wochen war er entschlossen es etwas lockerer anzugehen.

Fortsetzung: Letzter Teil

7 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 14“

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