eine Küche ist hüfthoch zugemüllt

Alles für die Katz Teil 13

Was bisher geschah Teil 12

Frau Hastig mühte sich mit ihrem alten Hollandrad den Hügel hinauf. Thomas sah ihr von oben wartend zu. Je näher Frau Hastig kam, desto größer wurde Thomas Skepsis, dass sie sein Problem wurde lösen können. Seit dem Anruf in der Tierklinik war eine Stunde vergangen. Thomas errechnete eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Stundenkilometern für die Strecke. Frau Hastig kam vor der Scheune zum Stehen. Thomas schätzte sie auf etwa 80 Jahre. Sie war etwa 1,60 m groß und ging leicht vornüber gebeugt. Sie begrüßte ihn freundlich und machte sich an dem Fangnetz zu schaffen, das sie an den Rahmen ihres Fahrrades gebunden hatte. Wieso diese alte Frau noch arbeitete? Und dann noch als Tierfängerin? Andererseits gab es in Deutschland fast keine streunenden Tiere. Vielleicht hatte Frau Hastig sie alle in den letzten 80 Jahren eingefangen? Vermutlich arbeitete sie als ehrenamtliche Helferin für den Tierschutzverein, tröstete sich Thomas. Amerikanische Zustände, in denen Greise an Supermarktkassen Lebensmittel einpacken mussten um zu überleben, herrschten hier hoffentlich noch nicht. Thomas nahm die Tasche und das Netz entgegen. Frau Hastig schien sich auszukennen und ging, so zielstrebig wie es ihr möglich war, zum Raum der Katze. An der Glastüre hing ein Zettel mit der Aufschrift „Vorsicht“. Der Raum war durch ein großes Fenster hell erleuchtet und liebevoll mit Kratzbaum und Verstecken ausgestattet. „Sie sitzt immer in der kleinen Höhle auf der Fensterbank. Sie kommt auch nur heraus, wenn niemand im Raum ist. Es ist ein außergewöhnlich scheues Tier. Niemand darf sie streicheln. Am besten wir halten das Netz direkt vor den Eingang der Höhle und locken sie raus“, schlug Frau Hastig vor. Thomas erinnerte sich noch wie flink das Tier gewesen war. Zu flink für eine achtzigjährige Dame. Er schlug deshalb einen Rollentausch vor. Frau Hastig sollte die Transportbox bereithalten und Thomas würde den Tierfänger spielen. „Haben Sie Handschuhe?“, fragte er. Frau Hastig kramte in ihrer Tasche und zog ein paar Arbeitshandschuhe mit extra dickem Leder hervor. Thomas zwängte sich mit großer Mühe hinein und atmete noch einmal tief durch. Gemeinsam pirschten sie in Richtung Fensterbank. Blitzschnell warf Thomas das Netz über den Eingang der Box, die der Katze als Unterschlupf diente. Nichts geschah. Im inneren der Box war es dunkel. „Haben Sie sie. Ist sie da?“, fragte Frau Hastig. „Keine Ahnung. Wie sollen wir sie nun rauslocken?“, fragte Thomas. „Die Box ist unten offen. Sie können sie anheben“, erklärte sie. Mit einer Hand den Stab des Fangnetzes umklammernd versuchte Thomas mit der anderen Hand die Box anzuheben. Da er sie nicht richtig zu fassen bekam. Klemmte er sich den Griff des Netzes unter den Arm und hob mit beiden Händen die Box leicht an. Es erklang ein Fauchen und die Katze zwängte sich durch den entstandenen Spalt. Frau Hastig schrie auf und Thomas ließ vor Schreck das Netz fallen. Mit einem Satz sprang die Katze durch den Raum und hing ganz oben auf einem deckenhöhen Kratzbaum. Die junge Tierpflegerin steckte ihren Kopf durch die Glastüre und sah die fauchende Katze unter der Decke hängen. „Na, antiautoritäre Erziehung, was?“, kommentierte sie und schloss die Türe wieder. Thomas schnappte sich des Netz und ging todesmutig Richtung Katze. Diese zeigte ihre Krallen und sprang zurück auf die Fensterbank. Thomas sprang ihr hinterher. Mit einem fürchterlichen Krachen schlug der Stab des Netzes gegen das Fenster. „Die Scheibe“, schrie Frau Hastig. Thomas kniete vor dem Fenster und hatte kurz die Orientierung verloren. Die Scheibe war ganz und die Katze zappelte im Netz. Gott sei dank, dachte er. „Schnell, bringen Sie die Transportbox“, flechte Thomas Frau Hastig an. Mit zitternden Händen versuchte sie das Türchen zu öffnen. Die Katze zappelte unterdessen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Frau Hastig hielt Thomas nun die Box hin. Der musste nun versuchen den offenen Teil des Netzes über den Eingang zu stülpen ohne das die Katze herausschlüpfte. Blitzschnell versuchte er es. Die Katze wäre beinahe entwischt, wenn er sie nicht mit einem beherzten Griff festgehalten und hinein bugsiert hätte. Trotz der Handschuhe spürte er wie sich sie Beißzähne des Tieres in seiner Hand vergruben. Nachdem die Katze in der Box war sank Thomas erschöpft zusammen. Frau Hastig lobte ihn: „Das haben Sie wirklich ganz toll gemacht. Sie sind der geborene Tierfänger.“ Vielleicht habe ich doch den falschen Beruf ergriffen, dachte er sich. Als er die Handschuhe auszog sah er das gesamte Gebiss der Katze als roten Abdruck auf seiner Hand. Lediglich die Abdrücke der Beißzähne tendierten ins Blaue. „Danke für die Handschuhe Frau Hastig“, bedankte er sich. Selten hatte er es so ehrlich gemeint. Am Ausgang wartete Frau Ungeheuer mit vorwurfsvollem Blick und sagte: „Ich habe mich wirklich mit Liebe und Hingabe um das Tier gekümmert. Aber es war kein Beziehungsaufbau möglich. Diese Tier ist leider vollkommen gestört.“ Leider geht es den Besitzern nicht besser, dachte Thomas und schwieg. Jedes Wort wäre zu viel gewesen. Die Katze war offensichtlich emotional vernachlässigt und lebte unter prekären Bedingungen. Seinen Besitzern ging es nicht besser. Sollte man solchen Menschen verbieten Tiere anzuschaffen? Oder Kinder zu kriegen? Wohl eher nicht. Wenn Lebewesen gequält wurden musste man eingreifen. Doch wo verliefen die Grenzen? Er hatte immer den Eindruck gehabt, dass Frau Feyerabend ihre Tiere liebt, doch mit dieser Katze schien sie überfordert. Da die Katze nicht unterernährt und körperlich misshandelt worden war, beschloss Thomas die Sache auf sich beruhen zu lassen. Von artgerechter Haltung konnte bei Millionen von Haustieren sowieso keine Rede sein. Wenn Thomas das Veterinäramt einschalten würde, wäre es vermutlich vorbei mit der Beziehung zu Frau Feyerabend. Er bezahlte die Rechnung und nahm noch den freudig mit dem Schwanz wedelnden Hund entgegen. Der dürfte bei der Rückfahrt auf dem Beifahrersitz liegen.

Fortsetzung Teil 14

2 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 13“

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