Alles für die Katz Teil 12

was bisher geschah Teil 11

Als die beiden Polizisten das Büro betraten, zeigte der Kaufhausdetektiv mit dem Finger auf Thomas und Frau Feyerabend und sagte: „Das sind die beiden. Der Rechte ist der Sozialarbeiter.“ Thomas schaute ihn irritiert an und wollte zu einer Erklärung ansetzen, doch einer der Polizisten schnitt ihm das Wort ab. „Wir bringen das jetzt schnell und unkompliziert über die Bühne. Sie zeigen uns einfach ihren Tascheninhalt und wir nehmen Ihre Personalien auf. Die Dame ist allerdings eine alte Bekannte. Da brauche ich nur noch das Geburtsdatum. Das kann ich mir einfach nicht merken“, fügte er trocken hinzu. Jetzt schaute Thomas Frau Feyerabend irritiert an, die ihr Gesicht zu einer Grimasse verzog, das mit viel Phantasie als gequältes Lächeln durchging. Ohne viel Aufhebens zog sie zwei Dosen Katzenfutter aus ihrer Jackentasche. Thomas versuchte erneut eine Klarstellung: „Hören Sie. Ich kann das erklären..“ Der Polizist unterbrach in barsch:“ Leeren sie Ihre Taschen und weisen sich gefälligst aus oder wir führen das Gespräch auf dem Revier fort.“ Thomas griff in seine Tasche und zog mit rot glühenden Ohren das Bündel mit den Geldscheinen aus der Tasche. Der Polizist machte große Augen und sagte: „Ich glaube da haben wir einen dicken Fisch an der Angel.“ Der andere Polizist wühlte zwischenzeitlich in Frau Feyerabends Handtasche und zog neben einer weiteren Dose Katzenfutter einen durchsichtige Plastikbeutel mit einer Menge verschiedenfarbiger Tabletten heraus. Er stieß einen Pfiff aus und sagte: „Gewerbsmäßiger Drogenhandel und bandenmäßiger Diebstahl. Ich mach mal eine Abfrage über Funk.“ Thomas stieß empört hervor:“ Das ist doch lächerlich. Ich habe nichts gestohlen und das Geld gehört meinem Arbeitgeber. Ich brauche es für eine Auslöse.“ Der Polizist wurde hellhörig: „Arbeitgeber? Wer sind Deine Hintermänner. Geht es um eine Entführung? Prostitution?“ „Nein. Ich möchte mit dem Geld die Katze von Frau Feyerabend aus dem Tierheim holen“, widersprach Thomas. Der Polizist sah ihn an und fragte spöttisch: „Katze? Für wie blöd hältst Du mich eigentlich.“ Thomas zog es vor nicht wahrheitsgemäß auf die Frage zu antworten. Die Abfrage ergab, dass Frau Feyerabend wegen mehr als 4000 Eigentumsdelikten vorbestraft war und per Haftbefehl gesucht wurde. Gegen Thomas lag erwartungsgemäß nichts vor. Die Polizisten beratschlagten sich und erklärten Frau Feyerabend für verhaftet. Thomas gaben Sie widerstrebend seinen Ausweis zurück. „Da sie bei ihrer Katzengeschichte bleiben und einen festen Wohnsitz haben bekommen Sie demnächst eine Vorladung zur Aufklärung der Angelegenheit“, erklärte der Polizist förmlich. „Und mein Geld?“, erkundigte sich Thomas hoffnungsvoll. Der Polizist sah ihn von oben herab an und sagte: „Das ist beschlagnahmt. Da muss ihr „Arbeitgeber“ mal bei der Staatsanwaltschaft vorsprechen und die Herkunft des Geldes schlüssig erklären.“ Das Wort Arbeitgeber betonte er besonders gedehnt und versah es mithilfe seiner beiden Zeige- und Ringfinger mit imaginären Ausrufezeichen. Hilflos sah Thomas zu, wie sein Geld und Frau Feyerabend abgeführt wurden. „Kann ich hier ein Katzenklo auch mit EC Karte bezahlen?“, fragte Thomas den Kaufhausdetektiv. Dieser machte zum ersten Mal an diesem Tag ein überraschtes Gesicht.

Verzweifelt fuhr Thomas nach Hause. Er hatte seine Klientin und das Geld verloren. Genau genommen waren sie nicht weg, sondern woanders, beruhigte er sich. Er würde über kurz oder lang beides zurückbekommen und musste morgen einfach improvisieren. Eine Absage des gesamten Umzugs kam einfach nicht in Frage. Die Kosten würden ins Unermessliche steigen. Er würde einfach sein Sparbuch plündern und die Tiere Herrn Schaffernicht übergeben. Den Wohnungsschlüssel hatte er ja noch.

Am nächsten morgen machte Thomas sich auf den Weg in das Tierheim. Er hatte sein Sparbuch geleert und sein Konto überzogen. Sein Zeitplan war schon schon um zwei Stunden überschritten. Er gab Gas, damit er noch rechtzeitig vor der zweistündigen Mittagspause die Katze entgegen nehmen konnte. Die Tierpension „Pets Paradise“ lag in einem dörflichen Stadtteil außerhalb der Kleinstadt und war in einem Aussiedlerhof untergebracht. Sie kooperierte mit der Tierklinik in der nahen Kleinstadt, in der Thomas die Katze und den Hund vor mehreren Wochen abgegeben hatte. Nach der Impfung und Untersuchung waren die Tiere hierher gebracht worden. Eine alte Scheune war durch einen modernen Zweckbau ergänzt worden. Reguläre Parkplätze gab es nicht, aber auf einer Wiese gegebüber dem Gebäude standen zwei Autos. Er stellte sich daneben. Beim Öffnen der Türe strömte ein scharfer Geruch von Gülle herein. Luftkurort? Eher Kuhluftort, dachte er verächtlich. Beim Aussteigen spürte er etwas Weiches unter seinen Fußsohlen. Mist! Braune Masse quoll über seine Turnschuhe aus Stoff. Gegen die Gefahren der Stadt war er gewappnet. Die Gefahren auf dem Land waren ihm fremd. Während er notdürftig seine Schuhe im Gras reinigte, spähte er vorsichtig nach dem Tier, das für diese Falle verantwortlich sein könnte. Er hatte keine Lust auf wildgewordene Stiere. Sogar Kühe und Pferde waren ihm wegen ihrer Größe etwas unheimlich. Er wusste, dass das unlogisch war und ein bissiger Hund gefährlicher war als eine Milchkuh, aber Ängste waren nun mal nicht immer logisch. Agressive Hunde gab es in der Stadt zur Genüge. Meistens reichte es aus seinen Fluchtinstinkt zu unterdrücken und ruhig zu bleiben, um aus so einer Nummer unbeschadet herauszukommen. Beruhigt stellte er fest, dass weit und breit kein Tier zu sehen war. Er würde heute wohl nicht den Torero geben müssen. Thomas betrat das Gebäude. Es gab abgetrennte Räume von etwa zehn Quadratmetern und mehr, die durch Glastüren verschlossen waren. Er spähte in den ersten Raum und sah Futternäpfe und Tierspielzeug. Ein Tier sah er nicht. Eine junge Frau bog um die Ecke und Thomas sprach sie an: „Ich suche Frau Ungeheuer. Ich möchte die Katze und den Hund von Frau Feyerabend abholen“. „Ah. Sie wollen Hanibal abholen“, erwiderte sie. „Hanibal?“, fragte Thomas. Nach seiner Erinnerung trug die Katze einen anderen Namen. „Bekommen die Tieren hier Namen nach hisorisch antiken Vorbildern? Platon, Cäsar und so?“, erkundigte er sich. „Ne. Spitznamen bekommen hier nur die ganz besondere Tiere. Die Inspirationsquelle war „Das Schweigen der Lämmer“. Ich geh mal das Ungeheuer suchen“, antwortete die Junge Frau und verschwand wieder. Thomas wusste nicht, ob sie die Katze oder ihre Kollegin meinte. Auf jeden Fall schien die junge Frau nicht ganz richtig zu ticken. Nach kurzer Zeit kam eine Frau mittleren Alters mit versteinerter Miene auf Thomas zu und fragte unfreundlich: „Sie wollen die Tiere holen und bezahlen?“ „Ja. Sind sie schon transportfähig?“, erkundigte sich Thomas höflich. „Das ist ihre Sache. Ich fasse die Katze nicht an“, teilte die Frau, bei der es sich offensichtlich um Frau Ungeheuer handelte, mit. Jetzt wurde es Thomas langsam zu bunt. Er antworte säuerlich: „Ich bin nur der Fahrer. Wenn es nichts zum Abholen gibt nehme ich das Geld wieder mit. Gibt es denn kein Personal von der Tierklinik, das sowas machen kann?“ Wortlos drehte sich Frau Ungeheuer um und ließ Thomas stehen. Seufzend schaute sich Thomas um und überlegte was er tun sollte. Bevor er aufgab würde er es selber versuchen müssen. Aus den Filmen seiner Kindheit wusste er, dass Tierfänger früher mit Netzen unterwegs waren. Die drei kleinen Strolche wurden immer von solchen Tierfängern gejagt, die Netze wie die Schmettlingsjäger benutzen. Als er die Narben auf seiner Hand betrachtete fiel im noch ein, dass er Handschuhe benötigen würde. Er begab sich auf die Suche nach der jungen Frau, um sie mit seinen Ausstattungswünschen zu konfrontieren. Die junge Frau teilte ihm mit, dass gleich Frau Hastig aus der Tierklinik käme, um sich der Sache anzunehmen. Handschuhe und Fangnetze wurden sicherheitshalber telefonisch nachbestellt.

Fortsetzung Teil 13

14 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 12“

  1. Jetzt wird die Grundidee langsam transparent und ich vermute ins Blaue hinein, ein Großteil der Struktur dazwischen hat sich während des Schreibens ergeben, ambivalente Haltungen gegenüber verschiedenen Personenkreisen schienen bereits vorhanden ;} … was ebenfalls sehr amüsant ist. Der Unterhaltungswert ist etwas größer als meine bleibende Sorge um T. … 😉

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