Alles für die Katz Teil 10

was bisher geschah Teil 9

Thomas saß an seinem Schreibtisch und versuchte gerade mit einer großen Papierschere seine Fingernägel zu schneiden als sein Telefon klingelte. Es war eine Tierpflegerin namens Ungeheuer, die ungeduldig fragte: „Wann gedenkt jemand die Tiere wieder aus dem Heim abzuholen? Sie sind jetzt schon über zwei Monate hier. Anfangs war von zwei Wochen die Rede. Die Rechnung beläuft sich mittlerweile auf über 3000 Euro. Ich verlange eine möglichst baldige Begleichung in bar.“ Thomas war überrascht: „In bar? Ich dachte das Sozialamt überweist ihnen einfach den Rechnungsbetrag.“ Frau Ungeheuer erwiderte: „Ich habe leider schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Ich gebe die Tiere nur gegen Bargeld raus. Sonst laufe ich dem Geld jahrelang hinterher. Das haben Sie übrigens in dem Vertrag, den Sie bei der Übergabe der Tiere unterzeichneten, so akzeptiert.“ „Aber ich bin doch gar nicht der Eigentümer der Tiere“, verteidigte sich Thomas. „Das ist mir gleich. Sie haben den Vertrag unterschreiben und Sie mache ich haftbar“, giftete Frau Ungeheuer. Das „Sie“ betonte sie auf schrille unangenehme Weise. Thomas versuchte beruhigend auf Sie einzuwirken, indem er ihr erklärte, dass innerhalb der nächsten zwei Wochen mit einer Abholung zu rechnen sei und er den Betrag in bar besorgen werde. Wo sollte er denn 3000 Euro in bar hernehmen? Sie hatten nur eine Handkasse mit ein paar hundert Euro für kleinere Anschaffungen. Er würde wohl oder übel mit seinem Chef, Herrn Maus, spreche n müssen. Die Verwaltung würde eine Rechnung erstellen und den hohen Betrag extra von der Bank holen müssen. Frau Schreier von der Verwaltung wird mir den Marsch blasen, wenn Sie einen halben Tag mit Aufträgen wie diesen zu tun hat, dachte Thomas ergeben. Er machte sich auf die Suche nach einem Formular mit dem wohlklingenden Namen „zu erwartende Zahlungseingänge“ und klärte im Laufe des Vormittags mit seinem Vorgesetzten, dem Sozialamt und der Verwaltung, dass er in vierzehn Tagen einen Barbetrag von 3700 Euro entgegen nehmen konnte. Eine weiter Schlacht im Papierkrieg war erfolgreich gewonnen.

Nachdem Thomas mit dem technischen Sachbearbeiter, Herrn Bruchtal, geklärt hatte wann die Renovierung abgeschlossen sein würde, organisierte er den gesamten Umzug um diese Datum herum. Das Jobcenter hatte 1600 Euro für Möbel bewilligt. Aus unerfindlichen Gründen galt Frau Feyerabend als arbeitsfähig und fiel in Sachen Erstausstattung in deren Zuständigkeit. Das Geld wollte man schlauerweise nicht an sie direkt überweisen, sondern an Thomas Arbeitgeber. Thomas hatte mit Frau Feyerabend im Billo Markt eine Küchenzeile für 204 Euro mit einem Anschluss Set für die Spüle erstanden. Weiterhin hatten sie ein Sofa für 300 € und ein Ehebett für 800 Euro erstanden. Thomas hatte noch versucht für ein günstigeres Bett zu werben aber Frau Feyerabend ließ sich nicht umstimmen. Zusammen mit dem Fernseher und einer elektrischen Kochplatte war das Budget somit erschöpft. Frau Feyerabend hatte jedoch wohlgelaunt erklärt, dass man das ein oder andere Assecoire später besorgen könne. Vor lauter Dankbarkeit hatte sie ihm sogar eine teure Schachtel Pralinen geschenkt. Das war zwar verboten, weil Thomas keine Geschenke über fünf Euro annehmen durfte, aber Frau Feyerabend ließ sich nicht umstimmen. Schließlich behauptete sie sogar, dass die Pralinen auf 4,99 Euro heruntergesetzt waren. Thomas wollte mal nicht so kleinlich sein. Er konnte auch keine Beeinflussung seiner Tätigkeit erkennen, die einer Bestechung gleich käme. Er war schließlich weder Leistungssachbearbeiter noch Bauamtsleiter und hatte nichts von wirtschaftlicher Bedeutung zu entscheiden. Da billige Möbel zeitaufwendig und kompliziert aufzubauen waren, organisierte Thomas einen Montagedienst über einen sozialen Träger. Er hatte eine Werkstatt für Behinderte gefunden, die die Möbel im Billo Markt abholen und einen Tag vor dem Einzug des Paares in der Wohnung aufbauen würde. Mit entsprechenden Attesten von Frau Feyerabend würden die Kosten vom Jobcenter übernommen. Man erklärt der Behörde, die für die Vermittlung einer Arbeit zuständig ist, dass die Kundin nicht in der Lage ist zu arbeiten und beantragt Unterstützung. Das ist unlogisch, dachte Thomas. Die logische Konsequenz wäre, dass ein Verfahren zur Prüfung der Arbeitsunfähigkeit eingeleitet und der arbeitsunfähige Mensch zum Sozialamt übergeleitet würde. Doch bei Behöden ging es erfahrungsgemäß nicht immer logisch vor, musste er sich eingestehen. Wenn die Wohnung eingerichtet und bewohnbar war, würde Thomas erst das Geld, dann die Tiere und schließlich die Menschen einsammeln und in das gemachte Nest bringen. Bei dem Gedanken das Paar mit ihren Tieren in der Wohnung zu wissen und vor allem endlich wieder los zu sein, wurde ihm ganz warm ums Herz.

Fortsetzung Teil 11

15 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 10“

  1. Ich bin froh, dass du weiter geschrieben hast und uns nicht mit halb angefangener Geschichte so stehen lässt 😉
    Das „dicke Ende“ liegt leider ziemlich gewichtig in der Luft. Ich bin gespannt! Ich stelle mir vor, dass es ein Insekt auf den eben aufgebauten Möbeln ist oder etwas in der Art.

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      1. Ja klar. Ich folge noch einem anderen Blog mit Fortsetzungsgeschichten. Spannende Sache. Oft möchte ich direkt weiter lesen, einerseits. Andererseits bin ich auch wieder froh, dass es täglich nur ein Häppchen ist, das nicht zu viel Zeit verschlingt 😉

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      2. Das mit der Zeit kann ich gut nachvollziehen. Zu lange Beiträge im Internet schrecken ab. Ein Buch kann man lesen und einfach mit einem Buchzeichen zur Seite legen. Bei vorgegebenen Blogbeiträgen ist das schwierig. Mit e books habe ich mich nie anfreunden können. Eine so lange Geschichte habe ich noch nie geschrieben. Es ist aber ganz angenehm kleine Kapitel zu schreiben und auch direkt Rückmeldungen zu bekommen. Für mich ist das eine spannende Erfahrung.

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