Alles für die Katz Teil 9

Was bisher geschah Teil 8

In der nächsten Woche hatte Thomas mehr Glück bei seinem Hausbesuch. Er konnte durch den Notausgang ins Haus schlüpfen als jemand herauskam. Frau Feyerabend war tatsächlich zu Hause und hatte den Antrag unterschrieben. Sie war wieder schön zurecht gemacht und bester Laune. Thomas konnte wieder einmal nur staunen über die Verwandlung. „Ich habe ein paar Sachen von Ihrer Liste gestrichen. Ich möchte meine Wohnung möglichst einfach halten. Ohne Ballast in die Zukunft, sozusagen“, erklärte Frau Feyerabend lächelnd. „Ein Doppelbett, ein Sofa und ein Fernseher reichen“, fuhr sie fort. „Sie dürfen die Küche nicht vergessen“, gab Thomas zu bedenken. „Ja, einen Kühlschrank brauche ich auch“, überlegte sie laut. Thomas ergänzte: „Und eine kleine Küchenzeile mit Spüle, einen Herd sowie einen Tisch mit Stühlen.“ Frau Feyerabend winkte ab: „Ach, einen Herd brauche ich nicht. Ich besorge mir einfach eine Kochplatte. Ich koche ja eh nicht.“ Das war kein schlechter Einwand, dachte Thomas. „Dann können wir ja nächste Woche zum Billo Möbelmarkt hier um die Ecke gehen. Dort gibt es preiswerte Möbel. „Das ist doch alles Schrott, was es da zu kaufen gibt. Alles nur Speerholzmöbel, die schon beim Aufbau kaputt gehen.“, beschwerte sich Frau Feyerabend. Eigentlich hat sie recht, dachte Thomas. Er sagte aber:“ Da gibt es ein paar recht schicke Sachen im Sonderangebot. Außerdem bekommt man dort alles für den Haushalt aus einer Hand. Leider haben Sie auch nicht viel Geld zur Verfügung. Lassen Sie uns nächste Woche am Donnerstag zusammen schauen, ob etwas für Sie dabei ist.“ Murrend stimmte Frau Feyerabend zu. Plötzlich schien ihr ein Gedanken zu kommen: „Ich brauch auch einen Fernseher. Hier um die Ecke gibt es einen prima Second Hand Laden. Die haben auch neue Ware, die umgetauscht wurde oder Ausstellungsstücke. Da könnten wir doch eben mal vorbei gehen.“ Thomas übelegte kurz und stimmte zu. Er ließ sich den Weg beschreiben, da er vorher sein Auto holen wolte, das im Parkverbot stand und verabredete sich mit Frau Feyerabend in 15 Minuten vor dem Laden.

Der Laden mit der Aufschrift „Import- Export Schlecht“ war in einem alten Weltkriegsbunker aus dem Dritten Reich untergebracht. Firma Schlecht: Hier ist der Name Programm, dachte Thomas sarkastisch. Er stieg die alte Betontreppe bis in die zweite Etwage hoch und gelangte in einen großen Raum mit Regalen und einer langen Theke, hinter der ein Mann mit Anzug und Krawatte stand. In den Regalen standen verschiedene Elektrogeräte und Kartons. Thomas fragte sich, ob einige dieser Dinge nicht eventuell vom Laster gefallen waren. Von Frau Feyerabend fehlte jede Spur, obwohl bereits eine halbe Stunde vergangen war seit ihrer Trennung. Diese Frau machte ihn wahnsinnig. Vielleicht hatte sie sich an der ersten Straßenecke wieder von Dr. Jekyll in Mister Hyde verwandelt und zog nun marodierend und Crack rauchend durch das Bahnhofviertel? Ein weiterer Mann mit einer schwarzen Lederjacke betrat den Raum und schaute such ebenso suchend um wie Thomas. Dem Verkäufer mit dem schlecht sitzenden Anzug war der plötzliche Andrang wohl nicht ganz geheuer. Er schien beschlossen zu haben in die Offensive zu gehen und kam mit reibenden Händen auf die beiden Männer zu. „Herzlich Willkommen. Wie kann ich Ihnen dienen? Wir haben alles außer Waffen und Frauen“, begrüßte er sie mit leichten osteuropäischen Akzent. Thomas blickte in das irriterte Gesicht des Mannes mit der Lederjacke und machte eine Geste, um ihn den Vortritt zu lassen. Entweder hatte der Verkäufer die beiden Kunden fälschlicherweise als Zivilpolizisten identifiziert oder er hatte eine merkwürdige Art von Humor. Nach kurzen überlegen kam Thomas zu dem Schluss, dass vermutlich beides der Fall war. Wenn er mit amtlicher Miene und einem Kollegen unterwegs war, wurden sie oft für Polizisten gehalten. Einmal waren sie in einem Park auf der Suche nach einem Klienten gewesen und eine ganze Gruppe Jugendlicher hatte bei ihrem Anblick reißaus genommen. Ein belustigendes und gleichzeitig befremdliches Gefühl. Während der Verkäufer mit seinem Kunden in einem weitern Raum mit Ausstellungsstücken verschwand, schaute sich Thomas schon mal um. Es gab hier wirklich einige günstige Flachbildschirmfernseher und allerlei Geräte, deren Funktion ihm unbekannt waren. Es gab nur handgeschriebene Preisschilder und leider keine weiteren Erklärungen. Während er überlegte, ob hier Quittungen ausgestellt wurden, die vom Amt akzepiert würden, kam Frau Feyerabend mit Herrn Schaffernicht in den Verkaufsraum. Herr Schaffernicht grinste einen mannshohen Kühlschrank in der Ecke an und kümmerte sich nicht weiter um Thomas. Frau Feyerabend schien zu Höchstform aufzulaufen. „Super Laden hier, oder?“, fragte sie aufgekratzt. Thomas hasste jede Form von Shopping und beschloss, die Sache pragmatisch anzugehen. „Das hier sind die billigsten Geräte“, sagte er und zeigte auf zwei Flachbildschirme. „Jetzt müssen wir nur noch fragen, ob ein Receiver enthalten ist oder ein externer gekauft werden muss. Haben Sie Kabel, Satelit oder Antenne?“ Frau Feyerabend dachte angestrengt nach und ihre Stirn legte sich in Falten. „Du Basti, was haben wir denn?“, fragte sie. Basti schien aber ebenfalls keinen Empfang zu haben und kommunizierte weiter nonverbal freundlich mit dem Kühlschrank. „Der hat sich gerade ein paar Angstlöser eingeschmissen“, stellte sie mit einer wegwerfenden Geste fest und musste zugeben: „Ich habe keine Ahnung von diesen technischen Dingen.“ Die hatte Thomas auch nicht richtig. Er hoffte der Mann mit dem schlecht sitzenden Anzug würde ihnen helfen können. Nachdem der Lederjackenmann mit einem Karton den Laden verlassen hatte, wandte sich der Verkäufer Thomas und Frau Feyerabend zu. Thomas ergriff das Wort und sagte: „Wir wollen gerne diesen Fernseher für 200 Euro kaufen:“ Der Verkäufer antwortete: „Das geht nicht.“ „Wieso?“, fragte Thomas neugierig. „Weil das ein Computer Monitor ist und kein Fernseher,“ antwortete der Verkäufer ohne eine Miene zu verziehen. Thomas schien im Ansehen des Verkäufers schlagartig etwas zu sinken. Frau Feyerabend gab sich unbeeindruckt von den neuen Erkenntnissen und lauschte gebannt. Thomas räusperte sich und sprach „Äh, welche günstigen Fernseher hätten Sie denn im Angebot?“ Der Verkäufer wies wortlos auf das zweite Gerät, dass Thomas zuvor ins Auge gefasst hatte. Mist! Da war er mit einer fünfzig prozentigen Wahrscheinlichkeit ins Fettnäpfchen getreten. „Ist da ein Empfangsgerät drinnen?“, fragte er anschließend. Der Verkäufer bejahte und bot Frau Feyerabend an, das Gerät für eine Anzahlung von fünfzig Euro zu reservieren. Da Frau Feyerabend kein Geld hatte beschloss Thomas ihr das Geld privat vorzustrecken. Seine Kollegin würde ihm einen Vortrag über professionelles Arbeiten halten und ihm erklären, dass er vor dem Einkauf von Waren für Klienten eine Kostenzusagen haben müsste. Er entschied deshalb niemanden etwas davon zu erzählen. Auf dem offiziellen Weg würde es zehn mal so lange dauern und das günstige Angebot wäre weg. So war es auch für Thomas weniger Arbeit.

Fortsetzung Teil 10

3 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 9“

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