Ruine einer öffnetlichen Toilette in der Schlafplätze hergerichtet sind

Alles für die Katz Teil 6

was bisher geschah Teil 5

Die Unfallärztin schien erstmal ratlos zu sein. Mit krachenden Knochen und spritzendem Blut kannte sie sich aus. Auch drei Kratzer unter einem Pflaster brachten sie nicht aus der Fassung. Die Frage einer möglichen Übertragung von Aids durch Katzenkrallen war ihr aber neu. Die Praxis glich eher einem Krankenhaus und hinter notdürftigen Sichtschutzwänden wurden die Patienten versorgt. Die Ärztin und ihre Kollegen eilten fleißg von Behandlungsplatz zu Behandlungsplatz wie Bienen von Blüte zu Blüte. Thomas fühlte sich wie eine seltene Pfanze als er die Geschäftigkeit der Ärztin mit seiner Frage unterbrach. „Ich nehme Ihnen einfach mal etwas Blut ab“, beschloss sie schließlich und tat was sie tun musste. Nachdem die fleißige Biene ihren Nektar eingesammelt hatte, schickte sie Thomas mit einem Zettel nach Hause. Er sollte nun in den nächsten sechs Monaten regelmäßig zur Blutentnahme kommen, um verschieden Infektionskrankheiten auszuschließen. Na prima, da wird mir auch nicht langweilig, dachte er ergeben.

Zuhause angekommen entledigte sich Thomas seiner Schuhe. Er ließ sie vor der Türe stehen und würde sie später extra desinfizieren. Er ging schnurstracks in die Waschküche und stopfte seine Kleidung in die Waschmaschine. Es war ihm ein inneres Bedürfnis, eine Art rituelle Reinigung und seelischer Abschluss. Ihm kam dieser Werbespot für Jeans aus den 80er Jahren in den Sinn als sich ein junger Mann mit Waschbrettbauch in einem Waschsalon auszog, um seine Levis zu waschen. Er tat das zu cooler Musik und zog die Aufmerksamkeit aller weiblicher Kunden auf sich. Die Realität sah etwas anders aus. Statt Marvin Gaye hörte er nur den Trockner von Frau Kalbfleisch aus dem ersten Stock brummen. Einen Waschbrettbauch hatte er ebenfalls nie sein Eigen nennen können und auf die Aufmerksamkeit der Bewohnerinnen des Wohnblocks konnte er verzichten. Gut, Frau Moustapha- Lottermann aus dem dritten Stock war schon heiß und lächelte ihn im Flur immer nett an, aber mit Ihrem Mann war nicht zu spaßen. Seit er arbeitslos war saß er immer mit finsterer Miene im Unterhemd auf dem Balkon und beobachtet die gesamte Nachbarschaft. Der Mann suchte irgendein Projekt gegen seinen Frust und seine Langeweile. Thomas wollte definitiv kein Teil eines, wie auch immer gearteten, Projekts seines Nachbarn werden und versuchte sich privat aus den Problemen anderer Menschen herauszuhalten. Lediglich in Socken, Unterhose und Unterhemd schlich er die Treppe hoch. Als hätte sie nur auf ihn gelauert, öffnete Frau Kalbfleisch ihre Wohnungstüre als sich Thomas direkt davor befand. Mit einer Mülltüte in der Hand starrte sie ihn entgeistert an. Thomas grüßte wie selbstverständlich: „Guten Tag Frau Kalbfleisch. Ein herrliches Wetter haben wir heute, nicht? Grüßen Sie Ihren Gatten.“ Thomas verbeugte sich leicht und stieg gemessenen Schrittes die Treppe hoch. Frau Kalbfleisch hatte es die Sprache verschlagen. Das war für Thomas die einzige erfreuliche Entwicklung des Tages.

Thomas Vorgesetzter, Herr Maus, war am nächsten Tag gar nicht begeistert über die Unfallmeldung. „Sie haben sich ohne Schutzvorkehrungen in diese gefährliche Situation begeben. Wie soll ich das denn der Berufsgenossenschaft erklären? “ Thomas überlegte wie Arbeitsschutzmaßnahmen und Dienstvorschriften für den Transport von Katzen aussehen mochten. Katzen ist nur mit einem Fangnetz und einem Ganzkörperkratzschutz, bzw. Ganzkörperbissschutz gegenüber zu treten? „Es war ein Notfall. Es war kein Körperkontakt mit Mensch oder Tier geplant“, rechtfertigte sich Thomas. Sein Vorgesetzter erwiderte ohne aufzusehen: „Wenigstens hat sich Frau Kurzrock professionell verhalten und die Sache erfolgreich zu Ende gebracht.“ Thomas antwortete sarkastisch: „Ja Herr Maus, sonst wäre die ganze Sache für die Katz gewesen.“ „Sehen Sie lieber zu, dass die Klienten so schnell wie möglich wieder in ihre Wohnung zurückkehren können, anstatt sich in Ausflüchten zu verlieren. Und machen sie sich in Gottes Namen einen vernünftigen Plan damit nicht wieder alles im Chaos endet. Diese Tierklinik kostet fast genau so viel wie die Hotelunterbringung. Es wird nicht lange dauern bis es da Beschwerden wegen der hohen Kosten gibt. Wenn Sie überfordert sind fragen Sie Frau Kurzrock“, befahl Herr Maus. Thomas presste ein: „Jawohl“ hervor und vermied es nur knapp die Hacken zusammenzuknallen. Er wollte seinen Chef heute nicht weiter provozieren. Der war eigentlich ganz ok, denn er ließ Thomas meistens in Ruhe seine Arbeit machen. Wenn alles gut lief, bekam er ihn wochenlang nicht zu Gesicht. Ein Umstand den beide genossen und den Thomas unbedingt wieder anstrebte. Seine Kollegin Kurzrock würde er aber nicht um Rat fragen. Er kannte ihre Antwort bereits. „Die Herrschaften sollen bitte zu einem festen Termin ins Büro kommen und alle Anträge ordentlich ausfüllen. Danach wird ein für beide Seiten verbindlicher Zeitplan erstellt. Wenn das nicht klappt werden sie eben obdachlos“, hätte Frau Kurzrock vermutlich gesagt. Für diese Taktik war es nun aber zu spät. Sie saßen nun im Hotel und würden ohne zugehende Sozialarbeit vermutlich nicht alleine wieder herauskommen. Ganz zu schweigen von den Tieren. Die konnten nicht auf ewig auf Kosten des Sozialamtes in der Tierklinik bleiben. Ohne Zustimmung der Besitzerin könnte man sie auch nicht an neue Besitzer vermitteln. Sollte das Paar nicht kooperieren würde Thomas sich mit den rechtlichen Aspekten einer Eigentumsübertragung beschäftigen müssen. Konnte man eines Haustieres enteignet werden? Konnte man Frau Feyerabend zwingen die Tiere innerhalb bestimmter Fristen abzuholen? Sollte Thomas eine kalte Enteignung ohne Berücksichtigung der Rechte von Frau Feyerabend durchziehen, in der Hoffnung die Klientin würde sich schon nicht rechtlich wehren? Der Gedanke an diese Version beschämte Thomas etwas. Mit seinem Glück würde er bestimmt vor Gericht landen. Wahrscheinlich würden sich Juristen seines Arbeitgebers und des Sozialamtes mit dieser Frage herum ärgern müssen und dabei mit Dartpfeilen auf sein Bild an der Bürowand werfen. Voller Selbstmitleid beschloss Thomas dennoch aufrecht in die Schlacht zu ziehen.

Fortsetzung Teil 7

8 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 6“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s