Hausfassade in der neuen Altstadt

Alles für die Katz Teil 3

Was bisher gesah: Teil 2

Zwei Tage später stand Thomas wieder vor der Wohnungstüre und klopfte. Mal sehen was mich diesmal erwartet, dachte neugierig. Die Türe wurde von einer adrett gekleideten Frau geöffnet, die ihn freundlich empfing. Auf den zweiten Blick erkannte er die hagere, verquollene, unfreundliche Dame, die er bei seinem ersten Besuch angetroffen hatte wieder . Die Verwandlung war erstaunlich. „Hallo. Entschuldigen Sie bitte meinen Auftritt vom letzten Mal. Mir ging es nicht gut. Ich würde Sie ja gerne reinbitten aber es ist gerade nicht aufgeräumt“, flötete Frau Feyerabend vergnügt. Ihr Tonfall war nicht mehr jammervoll aber immer noch leicht verlangsamt. Unwillkürlich musste er an die Geschichte von Dr. Jekyll und Mister Hyde denken. Handelte es sich hier um das weibliche Pendant? „Wo ist den Ihr Mitbewohner Herr Schaffernicht?“, erkundigte sich Thomas. „Der holt sich heute um die Uhrzeit immer sein Methadon. Er hat mir aber von dem Gespräch mit Ihnen erzählt. Wir können uns unten auf der Parkbank unterhalten.“ In Punkto Verlässlichkeit musste Thomas wohl Abstriche bei den Beiden machen. Er hatte jeden seiner Besuche schriftlich angekündigt und auch bestätigt bekommen, dass die Briefe angekommen waren. Trotzdem war es ihm nicht gelungen beide Bewohner gemeinsam zu sprechen. Wenn nicht mal eine einfache Terminabsprache funktionierte, wie würde es wohl mit Absprachen bezüglich eines Kleiderwechsels oder der Entsorgung des Wohnungsinhalts aussehen? Auf der Parkbank erklärte er Frau Feyerabend seinen Plan. Am Tag vor dem Beginn der Schädlingsbekämpfung würden sich Herr Schaffernicht und Frau Feyerabend duschen und anschließend in der Waschküche im Keller umziehen. Thomas würde einen Pflegedienst bestellen, der vorher möglichst viele Kleidungsstücke waschen und in Plastiksäcken im Keller lagern würde. Handtaschen und Rücksäcke waren tabu und mussten entsorgt werden. Mit den Plastiksäcken würde jemand die beiden anschließend in das Hotel fahren. Frau Feyerabend sagte begeistert: „Ich bin ja so froh, dass Sie sich der Sache angenommen haben. Die Wohnungsbaugesellschaft hat uns ganz schön hangen lassen. Die machen überhaupt nichts und schreiben nur Rechnungen. Das mit der Wäsche ist kein Problem, wir waschen sowieso jeden Tag.“ Thomas antwortete: „Es muss allerdings sicher gestellt sein, dass die Wäsche bei 60 Grad gewaschen wurde. Am besten mit einem speziellen Waschmittel. Um das alles sicherzustellen ist es notwendig einen Pflegedienst einzuschalten.“ Frau Feyerabend erwiderte leichthin: „Wenn es sein muss, dann machen wir es halt so. Ich habe sowieso den Pflegegrad 3“ „Dann könnte Sie der Pflegedienst auch langfristig in Ihrer Wohnung bei der Haushaltsführung unterstützen“, dachte Thomas laut nach. Erfreut rief Frau Feyerabend: „Das wäre toll. Ich brauche wirklich Hilfe und bin mit allem überfordert. Es ist wirklich soo super klasse wie Sie uns unterstützen. Da kommt ja der Basti.“ Sebastian Schaffernicht schlappte auf die Parkbank zu. Heute schaute er etwas missmutig drein. Sein Grinsen war ihm abhanden gekommen. „Haallo“, grüßte er gedehnt und hob dabei langsam seine Hand. Thomas erklärte seinen Plan erneut. „Was wird mit dem Tieren?“, erkundigte sich Sebastian Schaffernicht. „Die müssen vorübergehend in ein Heim oder eine Pension. Hier in der Nähe gibt es leider nichts“, musste Thomas zugeben. „Der Hund bedeutet uns alles. Wir wollen ihn jeden Tag besuchen und müssen wissen, ob es ihm gut geht. Ich habe Angst, dass er ohne mich einsam ist. Verstehen Sie? Der Katze soll es auch gut gehen. Die ist nicht ganz einfach und braucht viel Liebe. Sie müssen uns versprechen, dass es ihnen gut ergehen wird“, erwiderte Herr Schaffernicht in einer für seine Verhältnisse flammenden Rede. Wenigstens passte der versteinerte Missmut in seinem Gesicht zu seiner Forderung. Thomas versuchte die Bedenken zu zerstreuen, ohne die leiseste Ahnung haben, wie er den Ansprüchen gerecht werden sollte.

Nach weiteren Recherchen fand Thomas schließlich eine über 50 Kilometer entfernte Tierklinik mit angeschlossener Tierpension. Hier konnten Hunde und Katzen am Tag der Einlieferung untersucht und geimpft werden. Einen Fahrdienst gab es allerdings nicht. Da würde er wohl einen halben Arbeitstag allein für die Fahrerei investieren müssen. Das wäre immer noch besser als das Paar obdachlos werden zu lassen und immer noch billiger als eine dauerhafte Unterbringung in einem Wohnheim, versuchte er sich zu motivieren. Einen Pflegedienst für die Menschen hatte er ebenfalls gefunden. Jetzt musste er den Zeitplan entwerfen und alle Akteure unter einen Hut bringen. Ein Telefonat mit dem zuständigen technischen Sachbearbeiter der Wohnungsbaugesellschaft ergab, dass dieser mit einer Vorlaufzeit von drei bis vier Wochen rechnet. Nachdem er mit der Tierklinik, dem Sozialamt und dem Pflegedienst gesprochen hatte keimte neuer Mut in Thomas auf. Alle könnten innerhalb dieser Zeit startklar sein. Leider gab es einen Engpass bei den Entrümplern. Der Termin konnte erst zwei Monate später anberaumt werden. Das Paar war natürlich alles andere als begeistert darüber noch zwei Monate von Bettwanzen ausgesaugt zu werden. Ein früherer Umzug war nicht möglich, da das Sozialamt keine doppelte Unterbringung für längere Zeit bezahlen wollte. Beginnen sollte die Aktion am 6. Juni mit dem Kammerjäger und dem Hausmeister. Eine Kollegin sollte das Paar in ein Hotel bringen und Thomas würde sich um die Tiere kümmern. Der Kammerjäger sollte Gift sprühen und der Hausmeister das Schloss austauschen. Aus Sicherheitsgründen sollte niemand während der Entwesung die Wohnung betreten. Die Wohnungsbaugesellschaft kannte wohl ihre Pappenheimer.

Fortsetzung Teil 4

9 Kommentare zu „Alles für die Katz Teil 3“

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