Niklaus kommt nicht in unser Haus

Zum Nikolaustag mussten wir dieses Jahr den Nikolaus leider wieder wegschicken. Meine Zwillinge sind dummereise vor zwei Monaten vierzehn Jahre alt geworden und somit laut Coronaverordnung erwachsen. Mit meiner Wenigkeit, meiner Frau und meiner ältesten Tochter sind wir also fünf erwachsene Personen in einem Haushalt. Besuchen darf uns momentan eigentlich niemand über vierzehn Jahren. Mein jüngster Sohn darf seine Freunde empfangen, da er das magische superspreader Alter von vierzehn Lebensjahren noch nicht überschritten hat. Das ist Logik in Zeiten von Corona. Wir haben kurz überlegt, ob wir nicht ein halbwüchsiger Freund meines Jüngsten als Nikolaus engagieren sollen. Das wäre aber noch alberner als sonst. Die Moralpredigt müsste dieses Jahr also ausfallen und der Überbringer der Geschenke trug keine Bischofsmütze, sondern eine gelbe DHL Jacke. Auf unsere Frage, ob der Besuch des Nikolaus eher privater oder gewerblicher Natur ist konnte uns niemand so recht eine Antwort geben. Da scheint es Unterschiede zu geben. Die Wirtschaft muss ja schließlich laufen. Der Klavierlehrer darf ins Haus, die Oma muss draußen bleiben? Seit ich meiner Mutter gesagt habe, sie soll sicherheitshalber während eines Besuch bei uns eine halbe Stunde gegen Entgelt putzen, mag sie nicht mehr kommen.

Ich habe es ehrlich gesagt aufgegeben im Internet nach den aktuellen offiziellen Verordnungen zu suchen. Den Mitteilungen in der Presse fehlt es oft an Genauigkeit. Da wird dann auf einmal von zehn möglichen Kontakten aus einem Haushalt schwadroniert. Warum nicht zwanzig Personen aus einem Haushalt? Die Familie oder Wohngemeinschaft mit der Personen stärke möchte ich sehen. Ich habe mir einfach einen großen Interpretationsspielraum eingeräumt. Mit Interesse habe ich gelesen, dass die hessische Landesregierung nur Empfehlungen zu Kontaktbeschränkungen ausgesprochen hat, da es für Verbote in der eigene Wohnung eigentlich keine Rechtsgrundlage gibt. Da ich keine Rechtsschutzversicherung habe, werde ich die Lösung der Coronakrise allerdings nicht mit Rechtsmitteln angehen. Ich versuche es einfach mit gesundem Menschenverstand. OK, ich weiß, dem sind schon viele Menschenleben zum Opfer gefallen, aber mir fällt sonst nichts besseres ein. Ich habe also vier Kinder (drei davon seit neusten erwachsen) in vier verschiedenen Schulklassen. Meine Frau arbeitet in einer Schule in der Kinderbetreuung und ich in einer Beratungsstelle. Da kommen schon ein Haufen Kontakte zusammen. Drei von uns dürfen also beschränkungskonform Oma und Opa, bzw. Eltern besuchen. Der zwölfjährige hat Narrenfreiheit und darf sich nach belieben an jedes Familienmitglied hängen. Einen beißen die Hunde. Einer muss bei Familenbesuchen zu Hause bleiben oder bei Besuch das Haus verlassen. Nach dem Motto: „Oma kommt. Wir machen Schnick, Schnack, Schnuck wer so lange in den Garten gehen muss.“ Jeder einzelne von uns darf einen anderen Haushalt besuchen. Wenn man sich das so anschaut spürt man ein bisschen die Verzweiflung, die den ganzen Verordnungen zugrunde liegen. Sich in diesen Zeiten einzuschränken, um Menschenleben zu retten, finde ich nicht zu viel verlangt. Die Frage, die uns alle umtreibt ist die der Angemessenheit. Das Bedürfnis zu leben, steht hier der Gefahr einer tödlichen Erkrankung gegenüber. Soll man alles was das Leben ausmacht unterlassen, um sein (ja was eigentlich? Sein Leben? Seinen Körper? Seine Hülle?) zu schützen? Soll die alleinstehende Oma an Weihnachten alleine zu Hause sitzen, nur weil sich jemand die Zahl von fünf Kontakten und die Grenze von vierzehn Jahren ausgedacht hat? Ich finde das nicht angemessen. Sollten die Kontaktbeschränkungen über Weihnachten nicht wie geplant gelockert werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich zum Gestzesbrecher werde. Ich werde dann trotzdem nicht zur Querdenker Demo gehen und mir auch keinen Aluhut basteln. Regeln, die familiäre Kontakte verbieten, während die wirtschaftliche Tätigkeit uneingeschränkt weiterläuft, finden nicht meine Zustimmung. Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine. Es sollen auch schon Menschen an Vereinsamung gestorben sein. Wenn Josef und Maria am Heilg Abend bei mir klingeln und eine Herberge suchen, werde ich sie wohl reinlassen. Das Christkind dürfet kein Problem darstellen. Es ist ja unter vierzehn.

Schöne Adventszeit und Prost Mahlzeit

15 Kommentare zu „Niklaus kommt nicht in unser Haus“

  1. Prost Mahlzeit zurück !
    Zivile Usurpation auf der Grundlage von Vernunft ohne ‚Querdenkerei‘ (was ist das eigentlich genau ?) ?
    Wird auch noch als leugnerisches Beugen von Verordnungen in den Medienkatalog aufgenommen werden, alles der Reihe nach und nur keine Angst … 😉

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      1. Mama hat oft gemeint, ich würde schon sehen, was mir meine Andersdenkerei bringen würde und sie hat recht behalten. Gebracht, in materiellem Sinne, hats mir nix.
        Zum Glück.
        Denn ohne daß mir im Entferntesten nach Demo wäre, durfte ich unbeschadet den ‚anderen Blickwinkel‘ behalten.
        Bilde ich mir halt ein.
        Wie es tatsächlich ist, werden wir sehen … sehr bald, schätze ich.

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  2. Kleiner Tipp: Auf eine Beerdigung dürfen 30 Leute kommen. Wenn ihr also die Beisetzung eurer Haus-Gans oder Ente, je nachdem was es halt bei euch zu essen gibt, feiert und dazu einladet……sollte es rein Gesetzestechnisch kein Problem geben *Ironie off* .
    Ja das ist echt ein Irrsin. Wir werden auch bewußt Regeln brechen, denn jede Reise die nicht zwingend notwendig ist, soll ja unterlassen werden. Tochter und beide Enkelsöhne wohnen jedoch in einem anderen Bundesland und es soll mal einer versuchen mich davon abzuhalten, am zweiten Weihnachtstag mit ihnen zu feiern und tags drauf den Geburtstag des einen Enkels.

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      1. Weiß nicht, Hausgans Egon oder Hausente Berta haben zumindest mal einen emotionalen Bezug zur Famile, wegwegen deren Bestattung im großen Kreise begangen werden könnte……beim Bratwürstchen fehlt der emotionale Bezug, oder? Außer du kanntest die Sau aus der das Würstchen hergestellt wurde…..

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  3. Mir scheint, mit „Verzweiflung“ hast du den Grund der diffusen und in sich teils widersprüchlichen Maßnahmen treffend ausgemacht. Und die ist ja auch menschlich nachvollziehbar.

    Wenn man zu Weihnachten von der Schweiz (als Risikoland für D) nach D möchte, wird es noch struber. In den letzten Wochen hab ich einige Gesetzestexte ausgefieselt und am Ende heraus gefunden, dass das, was ich ohnehin vorhatte, gerade mal so eben legal ist. Sofern man bei dem Fieseln ins „Kleingedruckte“ vorgedrungen ist 😉
    Wobei der Grenzbeamte / die Grenzbeamtin dann doch das letzte Wort haben. Wenn ihnen meine Nase nicht gefällt, können sie immer noch sagen: Du bleibst draußen.
    Ich hoffe das Beste und werde fahren.

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