Ein Verkehrsschild Fußgänger frei, das ein wenig an Frankenstein erinnert

Mc Buri, Ihr freundliches Beerdigungsfrancise IV

Was bisher geschah: Mc Buri. Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise. Meikel und Miro haben aus Scherz ein online Beerdigungsinstitut, mit der Möglichkeit der Eigenleistung der Kunden, gegründet. Ein dubioser Kunde besteht darauf, die bestellte Beerdigung tatsächlich zu bekommen. Aus Angst sind beide nun notgedrungen in das Beerdigungsgeschäft eingestiegen und wollen ihren ersten Auftrag ausführen. Es gibt logistische Probleme.

Alle Zeit der Welt

Der Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung war gerade am Kaffee kochen. Das schien seine gesamte Konzentration zu erfordern, denn er beachtete Miro in keinster Weise. Nach einiger Zeit räusperte sich Miro ungeduldig. Der Mitarbeiter blickte kurz auf und schüttete leise fluchend den Inhalt des Kaffeefilters zurück in die Dose. Anschließend begann er erneut Meßlöffel abzuzählen. Miro biss sich auf die Zunge und fing nervös an mit dem Bein zu wippen. Nach einer gefühlten Ewigkeit wandte sich der Mann zu Miro um und sagte: „Sie haben es aber eilig. Für gewöhnlich hat unsere Kundschaft doch alle Zeit der Welt.“ Miro antwortete: „Hier sind die Unterlagen für die 10 Uhr Beerdigung. Ich kenne mich hier nicht aus, wo kommt die Lieferung denn hin?“ Nach einem schwer zu deutenden aber eher kritisch einzuordnenden Blick des Verwalters, korrigierte sich Miro rasch: „Entschuldigung, ich meine natürlich wo darf ich den Verblichenen zur letzten Ruhe betten und wo zwischenlagern?“ Der Mann schüttelte den Kopf und fragte: „Mit Trauerfeier?“ Jetzt schüttelte Miro den Kopf und ließ sich anschließend die die Wegbeschreibung zu einem Raum neben der Trauerhalle erklären.

Entfernung von Sperrmüll ist Diebstahl

Als Miro zum Parkplatz zurückkehrte staunte er nicht schlecht. Meikel saß auf der sargähnlichen Kiste von orangefarbenen Müllmännern umringt. Einige rauchten Zigaretten und standen neugierig um einen Wortführer herum, der wild gestikulierend auf Meikel einredete: „Sie wissen, dass das Entfernen von Sperrmüll ein Eigentumsdelikt darstellt? Der Müll bleibt so lange im Besitz des Eigentümers bis er von uns abgeholt wird. Sie dürfen hier nicht einfach etwas wegnehmen. Geben sie jetzt die Müllkiste frei“. Meikel empörte sich: „Das ist keine Müllkiste. Das ist ein Sar…“ Er unterbrach sich und schien zu überlegen, ob es so schlau ist die Wahrheit zu sagen. „Außerdem hat der Besitzer die Sachen einfach hier hingeworfen. Der hat bestimmt kein Interesse mehr an dem Kram“, fügte er noch hinzu. „Das ändert aber nichts an den Besitzverhältnissen“, beharrte der Müllmann. Er schien vor der Karriere als Müllfahrer Jura studiert zu haben. Miro bahnte sich den Weg durch die Männer und erklärte im Brustton der Überzeugung: „Das ist mein Eigentum. Ich bin dafür verantwortlich, dass diese Kiste hier steht.“ Verdutzt rief der Müllmann: „Sie sind also der Müllsünder? Gegen Sie mir sofort Ihre Personalien oder ich rufe die Polizei.“ Der Mann war vermutlich eher ein ehemaliger Polizist und kein Jurist. Miro hob beschwichtigend die Hände und sagte: „Nein, das haben Sie falsch verstanden. Ich habe diese Kiste nur kurz hier abgestellt. Ich nehme sie jetzt wieder mit.“ Er bückte sich und zog am Griff der Kiste, die sich keinen Millimeter bewegte, da Meikel auf ihr saß. Der Müllmann schien zu überlegen und meinte schließlich: „Das kenne ich doch. Erst wollen alle den Sperrmüll haben und dann liegt er doch wieder eine Ecke weiter auf der Straße“. Der Mann suchte aber auch das Haar in der Suppe. Miro versuchte es noch mal: „Ok. Erstens ist das kein Müll, sondern mein Eigentum und zweitens bringe ich es nun weg.“ Miro schaute zu Meikel hinüber, der sich daraufhin erhob und versuchte die sargähnliche Kiste anzuheben. Die Zwei schafften es ihre Last etwa einen Meter weit zu schleppen, bevor sie aufgaben. Die Müllmänner hatten interessiert zugeschaut und nickten sich wie zur gegenseitigen Bestätigung zu. Miro überlegte und startete einen Überredungsversuch: „Wir haben doch das gleiche Ziel. Wir alle wollen, dass mein Eigentum von hier verschwindet.“ Die Müllmänner schienen ernsthaft über das Gesagte nachzudenken. Bevor ihr Wortführer wieder schlechte Stimmung machen konnte zückte Miro sein Portemonnaie. Er wedelte mit fünf nagelneuen Fünfzig Euro Scheinen, die eigentlich für die Rückreise, die Verpflegung und Eventualitäten vorgesehen waren. Das hier war eine Eventualität größten Ausmaßes. „Fünf Minuten Arbeit für Fünfzig Euro ist doch ein guter Stundenlohn, oder?“ Die Mienen der Männer hellten sich auf. „Die Kiste muss nur schnell ein paar Meter getragen werden.“, legte Miro nach. Die ersten Männer griffen beherzt zu und postierten sich neben den Griffen der sargähnlichen Kiste. Auch der Wortführer griff zu, allerdings etwas widerwillig. Da alle vier Griffe bereits besetzt waren, blieb er einfach stehen wo er war und schwieg. Miro verbuchte das als Schweigegeld. Dafür konnte er leider keine Quittung verlangen. „Wo ist denn jetzt ihr Auto?“, fragte ein anderer Müllmann. „Hier entlang“, wies ihnen Miro den Weg. Da die Kiste etwas schwerer war als erwartet, hievten sie sich die Männer auf ihre Schultern. Würdevoll und getragen durchschritt die schwarz-orangene Prozession das Friedhofstor.

Abschied mit Tränen

Vor dem Nebengebäude der Trauerhalle meldete sich der orangefarbene Querulant wieder zu Wort: „Moment mal. Hier stehen keine Autos. Was ist eigentlich in der Kiste drin?“ Ihm schien zu dämmern, was hier vor sich ging. Auch bei den anderen Männern machte sich Betroffenheit breit. Miro sagte: „Beruhigen Sie sich meine Herren. Hier geht alles mit rechten Dingen zu. Wir hatten lediglich ein kleines logistisches Problem. Sobald die Kiste in dem Raum dort drüben lagert ist alles wieder vorschriftsmäßig“ Etwas spitzer fügte er hinzu: „Und Sie können dann wieder vorschriftsmäßig tun wofür sie eigentlich bezahlt werden. Nicht auszudenken wenn ihr Arbeitgeber von dieser Nebentätigkeit erführe.“ Die Arbeiter setzten sich wieder in Gang und Meikel schaute anerkennend zu Miro rüber. Im Nebenraum der Trauerhalle standen mehrere Särge, die schön geschmückt waren. Sie ließen ihre Last auf einem fahrbaren Gestell nieder. Die Müllmänner nahmen die Mützen ab. Ein Müllmann mit dunklen Haaren und kräftigen Schnauzbart kniete nieder und fing mit geschlossenen Augen in einer fremden Sprache zu beten an. Nach einer Weile beugte er sich vornüber und berührte mit der Stirn den Boden. Ein weiterer tat es ihm nach und ein dritter faltete die Hände. Leise begann er das Vater unser zu beten. Die übrigen Anwesenden falteten ebenfalls die Hände und murmelten leise mit.  Meikel bekam einen Kloß im Hals und konnte nur mühsam seine Tränen zurückhalten. Es war wohl alles etwas zu viel für seine Nerven gewesen. Es kam ihm plötzlich schäbig vor, mit dem Tod schnelles Geld verdienen zu wollen. Miro schien sich auch nicht ganz wohl in seiner Haut zu fühlen. Als sich die Müllmänner mit einem Händedruck verabschiedet hatten, sackte Meikel in der Ecke des Raumes zusammen und atmete tief durch. Zwei der Männer hatten ihre Geldscheine zurückgegeben und Miro gebeten Blumen dafür zu kaufen. Der stand nun etwas beschämt da und starrte auf das Geld.

11 Kommentare zu „Mc Buri, Ihr freundliches Beerdigungsfrancise IV“

      1. Twitter ist ganz gut um seine Sachen bekannt zu machen. Man erreicht mit den Tweets schnell sehr viele Leute. Twitter und WordPress sind nicht vergleichbar. WordPress = Blog, Twitter = Kurznachrich. Grüße

        Gefällt 1 Person

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