Kopfplastik eines Mannes aus Ton mit Sonnenbrille

Mc Buri. Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise III

Was bisher geschah: Mc Buri. Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise. Meikel und Miro haben aus Scherz ein online Beerdigungsinstitut, mit der Möglichkeit der Eigenleistung der Kunden, gegründet. Ein dubioser Kunde besteht darauf, die bestellte Beerdigung tatsächlich zu bekommen. Aus Angst sind beide nun notgedrungen in das Beerdigungsgeschäft eingestiegen und wollen ihren ersten Auftrag ausführen. (970 Wörter)

Herzlichen Glückwunsch. Sie sind unser erste Kunde

Meikel und Miro waren mit der Mitfahrzentrale nach Berlin gefahren. Es war fünf Uhr morgens und sie standen vor dem verschlossenen Tor des etwas auswärts gelegenen Friedhofs. Es war neblig und keine Menschenseele war zu sehen. Meikel schlotterte mit den Knien und sagte: „Das ist ganz schön unheimlich hier und saukalt.“ Er trug den alten Hochzeitsanzug seines Vaters, der für die nächtlichen frostigen Temperaturen nicht geeignet war. „Die Beisetzung ist für 9 Uhr geplant und der Kunde ist für 7 Uhr bestellt. Da öffnet auch der Friedhof. Ich gehe gleich rein und erledige den Verwaltungskram und Du begrüßt unseren ersten Kunden“, rekapitulierte Miro den Plan, während er nervös auf seine Uhr sah. Er trug einen geliehenen grauen Anzug, der ihm viel zu klein war. Auf dem nahen Parkplatz hatte irgendjemand illegal seinen gesamten Hausrat entsorgt. Sie gingen zu einem alten Sofa, das neben einem alten Sideboard stand und ließen sich darauf nieder. „Gar nicht so ungemütlich“, fand Meikel und legte seine Füße auf eine Kiste voller Bücher und Zeitschriften. Miro setzte sich dicht neben ihn, damit sie sich ein bisschen aneinander wärmen konnten. Meikel fischte ein paar Zeitungen aus der Kiste, um sich zuzudecken. „So machen es die Obdachlosen auch. Papier isoliert unheimlich gut“, stellte er zufrieden fest. Miro schüttelte den Kopf und sagte: „Überleg Dir lieber wie Du unsere Kunden empfängst. Es muss etwas getragenes und würdevolles sein.“ Meikel überlegte: „Wie wäre es mit. Guten Morgen. Ich bin Meikel, ihr persönlicher Bestattungsassistent. Ich freue mich Sie als ersten Kunden von Mc Buri begrüßen zu dürfen. Ich werde Sie würdevoll und getragen durch ihre Beerdigung führen. Ich hoffe Sie haben eine angenehme Zeit.“ Miro schnaubte: „Jetzt bleib doch mal ernst. Sobald Du ausgesprochen hast, dass Du etwas würdevoll und getragen machen möchtest, ist doch schon jede Würde und getragene Atmosphäre dahin. Der Kunde muss durch die Qualität der Dienstleistung selber drauf kommen, dass es würdevoll und getragen zugeht.“ Meikel kratzte sich am Kopf und fischte eine alte Bedienungsanleitung aus der Kiste zu seinen Füssen. Er begann zu lesen: „Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb dieses  Qualitätsfernsehers.“ Er ließ die Anleitung sinken und fragte „Ist das besser? Statt Fernseher würde ich halt Dienstleistung sagen.“ Miro verschränkte die Arme und schaute demonstrativ in die andere Richtung. Er war heute nicht zum Scherzen aufgelegt. Sie würden diesen Mann unter die Erde bringen und nach Frankfurt zurückfahren. Nie wieder würde er blöde Witze über Bestattungen machen oder irgendwelche fake online Shops ins Netz stellen.

Lieferung frei Haus

Um 6.30 Uhr kam ein weißer Kastenwagen mit der Aufschrift Studentenwerk Mannheim vorgefahren. Miro sprang auf und richtete seine Krawatte. Zwei junge Männer stiegen aus und schauten sich fragend um. „Wir haben eine Lieferung für die Firma MC Buri“, sagte einer der Fahrer im typischen badischen Singsang, nachdem er einen ausgiebigen Blick auf seine Unterlagen geworfen hatte. „Das wird englisch ausgesprochen. Buri wie beerdigen“, rief Meikel, vom Sofa aus und hinter Zeitungen versteckt, hervor. „Aha. Seid ihr zwei Witzbolde von der Firma Mäk Börry?“, mischte sich nun der Beifahrer ein. Den Firmennamen sprach er übertrieben englisch betont aus. Er trug einen dunklen Vollbart und hatte einen finsteren Blick. Er vermittelte den Eindruck als hätte er es eilig und wäre eigentlich gerade lieber ganz woanders. Ein Gefühl, dass vermutlich auf alle Beteiligten zutraf. „Ja. Ich bin der Geschäftsführer. Sind Sie Angehörige, wenn ich fragen darf?“, versuchte sich Miro im getragenen Ton. Die beiden Angesprochenen blickten sich fragend an. Der Fahrer zuckte mit den Schultern und sagte zu seinem Beifahrer: „Vielleicht versteckte Kamera oder so was?“ Er drückte Miro einen Umschlag in die Hand und sagte: „Das ist der Lieferschein und hier brauche ich eine Unterschrift. Wo sollen wir das Zeug hinstellen?“ Miro klappte die Kinnlade runter. Er war sprachlos. Irritiert starrte er auf das Klemmbrett, dass er direkt ins Gesicht gehalten bekam. Der Bärtige hatte die Türe des Transporters geöffnet und fing im Inneren des Wagens an Kisten umzustapeln. „Hier unterschreiben. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit“, drängelte der Fahrer nun. Miro war fassungslos und unterschrieb in einer Art Schockzustand das Papier. Der Fahrer drehte sich zufrieden um und half seinem Beifahrer mit einer großen länglichen Kiste aus einer Art Recyclingmaterial. Im Wagen waren noch etliche kleinere Kisten aus ähnlichen Materialien. „Kuck mal hier sind sogar Griffe dran. Wie praktisch“, rief der Fahrer erfreut. „Boah. Ist die schwer. Packt mal mit an“, maulte der Beifahrer. Meikel kam hinter seinen Zeitungen hervorgekrochen, zeigte auf dem Friedhof und sagte: „Der muss da rein.“ Der Fahrer wedelte mit seinem Papier und antwortete: „Lieferung nur bis zur Türschwelle. Das haben sie gerade mit Ihrer Unterschrift bestätigt.“ Miro und Meikel verschränkten demonstrativ die Arme, um zu signalisieren, dass sie unter solchen Umständen auch nicht kooperativer wären. Die Lieferanten zerrten die große Kiste aus ihrem Wagen und ließen sie krachend auf dem Parkplatz nieder. Meikel und Miro zuckten ungläubig zusammen. Der Fahrer streckte seinen Rücken und sagte zu seinem Kollegen: „Das Ding erinnert mich irgendwie an einen Sarg. Ist schon ein komischer Zufall mit dem Friedhof hier und den zwei morbiden Typen.“ Sein Gesichtsausdruck veränderte sich von zufrieden in nachdenklich. Das schien nicht oft vorzukommen, denn die Anstrengung, die das hervorrief war offensichtlich für den Betrachter. Dem Bärtigen gelang es nach kurzem Erstaunen, sogar noch finsterer zu schauen als vorher. Alle schwiegen eine Weile. Die ersten Sonnenstrahlen erschienen im Morgengrauen. Nach einem kurzen Blickwechsel stiegen die Lieferanten fluchtartig in ihren Wagen und verließen mit quietschenden Reifen den Parkplatz. Miro setzte seine Sonnenbrille auf und sagte.“ Ich geh jetzt rein“.

Fortsetzung Teil 4

3 Kommentare zu „Mc Buri. Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise III“

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