Mc Buri, Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise II

Was bisher geschah: Mc Buri, Ihr preiswertes Beerdigungsfrancise. Meikel und Miro haben aus Scherz ein online Beerdigungsinstitut, mit der Möglichkeit der Eigenleistung der Kunden, gegründet. Ein besonders treuer Neukunde spürt sie in ihrem Versteck auf.

(1742 Wörter)

Meeting in der Geschäftsstelle

Unter großem Hallo und Schulterklopfen bahnten sich Miro und Meikel den Weg zur Theke des goldenen Bembels. Es war eigentlich keine traditionelle Apfelweinkneipe, sondern eher ein in die Jahre gekommenes Gasthaus, dessen Vorbesitzer glücklicherweise zu faul für irgendwelche Renovierungen gewesen waren. Die Tapete mit Kultstatus hing bereits seit mindestens achtzig Jahren an der Wand und wurde nur noch von den verschiedenen Nikotinschichten, aus den Zeiten vor dem allgemeinen Rauchverbot, zusammengehalten. Rauchen musste man nun in einer Art Hinterzimmer, das vorher als Lager gedient hatte und immer noch genau dieses Flair ausströmte. Trotzdem war dieser Raum immer brechend voll und die Stimmung um die provisorische zweite Theke immer bestens. Die hölzerne schwere Einrichtung und das Interieur der fünfziger und sechziger Jahre hatte schon Scharen von Studenten und Trinkern ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit in den Zeiten des ständigen Wandels gegeben. Selbst der Wandel vom Studenten zum Trinker konnte hier ungestört vollzogen werden. In den Letzten Jahren war selbstverständlich auch eine erklägliche Zahl von Trinkerinnen hinzugekommen. Sie wollten gerade eine Runde bestellen als ihnen der Wirt mit besorgten Gesichtsausdruck entgegen kam und sie ansprach: „Na, was habt ihr den ausgefressen? Da hinten am Tisch warten ein paar merkwürdige Genossen auf Euch. Ich dachte erst, die wollen Schutzgeld erpressen aber sie haben sich dann nur nach Spezialisten für Onlineangebote erkundigt. Kevin konnte dann natürlich seine Klappe nicht halten. Er hat auf Euch und Eure coolen Streiche verwiesen.“ Er machte sich schnell aus dem Staub ohne eine Bestellung aufzunehmen. Seine Sorge schien sich ausschließlich auf sich und seine schäbige Einrichtung zurichten und weniger auf seine Gäste. Meikel zog Miro mit einen panischen Gesichtsausdruck am Ärmel und wimmerte: „Woher wissen, die das wir hier sind? Komm lass uns abhauen“. Sie drängelten sich Richtung Ausgang vor dem sich jetzt allerdings ein großer blonder Mann mit schwarzer Lederjacke aufgebaut hatte. „Wie ein Türsteher nur andersrum“, dachte Miro überflüssigerweise. Von Türstehern wurde er eigentlich immer abgewiesen. Irgendetwas musste bei ihrem Anblick mit seinem Gesichtsausdruck geschehen, das Ablehnung hervorrief. Der blonde Hüne nickte nur in Richtung des Tisches, an dem ein weiter Kraftprotz und ein gut gekleideter Mann von vergleichbar schmächtigerer Statur saßen. Miro und Meikel machten auf dem Absatz kehrt und gingen schleppend mit hängenden Köpfen auf besagten Tisch zu. Meikel fühlte sich wie ein Lagerinsasse, der nach einem Tag im Steinbruch zurück in seine Baracke geschickt wird. Seine Gliedmaßen wollten ihm nicht recht gehorchen. Miro war sich nicht sicher, ob er nicht sogar ohne Apfelwein in die Hose geschissen hatte.

Hinweise zum Vertragsrecht

Der kleine gut gekleidete Mann erhob sich, breitete erfreut die Arme aus und rief wie zur Begrüßung unter alten Bekannten: „Ah, die Geschäftsführung. Ich habe mir erlaubt mich schon mal in ihrer Geschäftsstelle umzusehen. Ich habe schon einiges über die modernen Internetfirmen gelesen und bin wirklich beeindruckt das selber mal mit eigenen Augen zu sehen. Nennen Sie mich Ivan“. Er wirkte außerordentlich vergnügt. Miro und Meikel ließen sich auf ihre Stühle plumpsen und der Hüne stellte sich direkt hinter sie. Nach einem Schweigen, das etwas zu lange dauerte, begann Ivan erneut zu sprechen: „Ich sehe sie sind keine Männer der großen Worte. Das mag ich so an den modernen Unternehmensgründern. Immer in Bewegung, immer flexibel, keine Statussymbole, schmale Kosten. Hut ab meine Herren. Doch kommen wir zum Geschäft“. Er hatte den Oberkörper während des Redens wie ein Boxer hin und her gewogen und beim letzten Satz plötzlich innegehalten. Den beiden bleichen Jungs liefen die Schweißtropfen in Strömen über das Gesicht und sie wagten nicht sich zu bewegen. „Ich habe für 1300 € eine Bestattung meines geliebten Onkels dritten Grades rechtskräftig erworben und stehe im Wort bei meiner geliebten Tante dritten Grades, die gerade eine schreckliche Zeit durchmacht“, fuhr Ivan fort und machte ein Gesicht als hätte er zu ersten Mal im Leben Apfelwein probiert. „Es war doch nur ein dummer Scherz“, brach es aus Miro heraus, „Es war nicht ernstgemeint. Bitte entschuldigen Sie die Umstände. Wir löschen die Internetseite sofort und vergessen die Sache alle“. Er blickte Beifall heischend in die Runde und versuchte sich an einem Lächeln. Ivans Gesichtsausdruck verfinsterte sich als er sagte: „Sehe ich aus, als ob ich zu scherzen beliebe? Falls Sie vorhaben vertragsbrüchig zu werden, verklage ich Sie, Ihre gesamte Verwandtschaft und Ihre ungeborenen Kinder auf Schadensersatz bis zum Ruin. Anschließend werde ich meinem Freund Horst erklären müssen, dass ich sein Gehalt leider nicht bezahlen kann, da ich alles Geld für Rechtsanwälte ausgegeben habe“. Ivan zeigte auf den blonden Hünen, der hinter Miro und Meikel stand und keine Miene verzog. „Horst ist leider etwas impulsiv und nur die Liebe zu seiner Familie hat ihn bislang vor weiteren Gefängnisstrafen wegen schwerer Gewalttaten bewahrt. Wie glauben Sie wird sein Gemütszustand aussehen, wenn er seinen lieben Kindern keine Gaben unter den Christbaum legen kann? Ich bezweifle, dass jemand dieser Naturgewalt, die dadurch entfesselt wird, Einhalt gebieten kann. Sie werden verloren sein und ich werde ihnen leider nicht helfen können.“ Mit einem Ausdruck des Bedauerns betrachtete er seine Fingernägel. „In zehn Stunden möchte ich wissen wohin ich meinen geliebten Onkel dritten Grades bringen kann und vergessen Sie nicht Horst eine aktuelle Telefonnummer zu geben“, beendete Ivan seinen Monolog. Er erhob sich und verließ das Lokal. Als Horst sie eingehend über ihre Familienverhältnisse ausgefragt, sich ihre Ausweise angesehen und ihre Telefonnummer notiert hatte, blieben sie gebeugt am Tisch zurück. „Was machen wir jetzt? Gehen wir zur Polizei?“, fragte sich Meikel. „Wieso, es liegt doch keine Straftat vor. Jemanden verklagen zu wollen, ist nicht verboten“, sinnierte Miro. „Es sieht so aus, als ob wir tatsächlich ein Beerdigungsinstitut gründen müssten“.

Unternehmensgründung Widerwillen

„Also, meine amerikanische Suchmaschine meint, dass man für die Gründung eines Beerdigungsinstitutes keine besonderen Voraussetzungen benötigt“, stellte Meikel zu Hause erleichtert fest. „Das ist ja ideal für Dich“, spottete Miro. „Wir benötigen nur einen Gewerbeschein und eine Eintragung im Handelsregister. Da kümmere ich mich morgen früh drum“, fuhr Meikel unbeirrt fort. „Dann ruf ich beim Friedhof an der Stadtgrenze an. Da kommen alle Sozialhilfeempfänger hin. Das ist bestimmt der Billigste hier in der Gegend. Anschließend soll Ivan seinen Onkel dorthin bringen und der Käs ist gegessen.“ Zufrieden schaute er zu Miro hinüber, der schlecht gelaunt auf seinen eigenen Monitor starrte. „In Frankfurt kostet ein Sargwahlgrab auf 20 Jahre durchschnittlich 2659 Euro Friedhofsgebühren mit Bestattung. Super Geschäftsidee, bei der wir bei jedem Kunden 50 Prozent drauflegen.“ Meikel erwiderte: „Einem Plausch mit Horst aus dem Weg zu gehen, würde ich mir sogar noch mehr kosten lassen“. Gereizt stellte Miro fest: „Im Ausgeben von Geld, dass Du nicht besitzt, warst Du schon immer spitze. Woher willst Du bis morgen die Kohle nehmen?“ Ratlosigkeit machte sich breit. „Durchschnitt heißt, dass es auf jeden Fall billiger geht“, versuchte Meikel Optimismus zu verbreiten. „Zeig mal Deine Liste. Hier in Berlin kostet ein Sargwahlgrab nur 857 Euro auf 20 Jahre mit Bestattung. Da bleibt sogar was übrig.“ Miro schaute nochmal genauer hin und bestätigte: „Tatsächlich. Komisch wird in Berlin weniger gestorben?“ „Wieso weniger?“, wollte Meikel wissen. „Angebot und Nachfrage Du Trottel. Wenn die Toten keine Gräber nachfragen, werden sie billiger. Wieso kennt in Deutschland keiner die grundlegendsten wirtschaftlichen Zusammenhänge? Es ist wie auf dem Immobilen Markt. In Frankfurt ist Wohnen teurer als in Berlin, da es mehr Nachfrage nach Wohnraum gibt.“ Meikel zweifelte: „Es gibt eigentlich in fast jeder Stadt zu wenig Wohnraum. In Frankfurt verdienen die Leute halt mehr und können höhere Mieten bezahlen“. „Das knappe Angebot ist die andere Variante in dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage“, dozierte Miro. „Also gibt es in Berlin zu viele Gräber?“, fragte Meikel ungläubig. Miro machte eine wegwerfende Handbewegung und sagte resigniert: „Keine Ahnung vielleicht ist das auch noch so ein altes DDR Ding. Die sind da ja ganz ohne Angebot und Nachfrage ausgekommen.“ Meikel kratzte sich am Kopf und fragte: „Du meinst billiges Sterben war ein Anliegen im Arbeiter und Bauern Staat?“ „Was weiß ich. Halt jetzt endlich die Klappe. In vier Stunden macht das Gewerbeamt auf und die Friedhöfe in Berlin öffnen. Wir haben jetzt wichtigeres zu tun“, drängte Miro.

Aufschwung Ost

„Wat wollnse? Nen Termin für heute? Nee, wir sind ausjebucht“, sagte der Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung. „Vielleicht ist ja kurzfristig jemand abgesprungen und ein Termin freigeworden“, bohrte Miro nach. „Meinse da hat wer wejen Krankheit seine Beerdijung abjesacht? Wollnse mich verarschen? Versteckte Kamera oder so?“ Das Gespräch wurde unterbrochen und Miro schaute ratlos den Hörer an, als Meikel mit einem Gewerbeschein hereinplatzte und stolz verkündete: „Wir sind nun Unternehmer“. Das Telefon klingelte und Ivan war am Apparat. „Wir arbeiten an einer Lösung. Machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Onkel wird hochzufrieden mit seiner Beerdigung sein. Ich rufe sie in einer Stunde zurück“, hörte Miro sich stammeln. „Wir sind am Arsch. So schnell gibt es kein Grab“, jammerte er anschließend. „Lass mich mal“, sagte Meikel und nahm ihn das Telefon aus der Hand. Ich versuch es mal bei der Bezirksverwaltung.“ Eine freundliche junge Dame nahm den Hörer ab und fragte was sie tun könne. Meikel erklärte ihr: „Ich suche für meinen verstorbenen Onkel schnellstmöglich eine Grabstätte. Es war sein letzter Wille schnellstmöglich unter die Erde zu kommen. Leider haben wir durch einen unfähigen Bestatter viel Zeit verloren. „Er warf dabei einen abschätzigen Blick auf Miro, der neben ihm saß.  Die Dame antwortete angemessen betrübt: „Das tut mir leid. Ich kann ihnen frühestens übermorgen einen Termin geben. Es sei denn es gibt religiöse Gründe für eine frühere Beerdigung.“ Aus Meikel platzte es heraus: „Ja selbstverständlich. Für das Seelenheil meines Onkels ist es unerlässlich, sofort beerdigt zu werden.“ Die Mitarbeiterin fragte: „Welcher Glaubensgemeinschaft gehörte ihr Onkel an?“ Meikel antwortet: „Er war orthodox.“ Die Dame raschelte ein bisschen und sagte „Laut meiner Liste gibt es keine Eilbestattungen für gängige Orthodoxe Glaubensgemeinschaften. Gehörte er einer speziellen kleineren an?“ Meikel schluchzte: „Ja. Er war Mitglied im orthodoxen Orden des King of Rock, dessen Mitglieder ja bekanntlich innerhalb von 36 Stunden begraben werden müssen. Sonst spucken noch Jahrzehnte Doppelgänger, Wiedergänger und Lebenszeichen durch die Welt. Ich möchte so gerne Frieden für meinen Onkel.“ Die Dame am Telefon sagte skeptisch: „King of Rock Orden? Habe ich nie gehört. Das war vielleicht vor meiner Zeit. Ich gebe ihnen gleich morgen früh einen Bestattungstermin. Heute geht es beim besten Willen nicht mehr“. Meikel ließ erschöpft den Hörer sinken und sagte lakonisch: „Auf nach Berlin“.

Fortsetzung: Mc Buri, Ihr freundliches Beerdigungsfrancise-Teil 3

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