Gedankensalat im VHS Kurs

Die Weihnachtszeit ist vorbei und der Kampf gegen die Verfettung ist wie jedes Jahr verloren. Über die Feiertage hinweg haben sich auch viele Ideen und Gedanken angesammelt. Eine Gedankenverfettung sozusagen. Was liegt da nicht näher als allgemeines Abspecken? Ich dachte mir, ich bereite zum Jahresbeginn einen kleinen, leicht bekömmlichen Gedankensalat zu. Ich möchte mich auch gleich bei allen Leidtragenden entschuldigen und das sind in erster Linie die Leserinnen und Leser dieses Blogs.

Nie dagewesene Sensationen

In diesem Beitrag soll es um einstürzende Weltbilder, alle meine strafrechtlich relevante Tätigkeiten der letzten fünf Jahre, die moralisch verwerflichsten Taten meines Lebens, meine Einstellung zum Glauben, die Kraft der Verdrängung, die Veröffentlichung eines „dick pics“ gehen und eine Belohnung für Vielleserinnen und Vielleser geben.

Bindung der Leserinnen und Leser

Jetzt dürfte ich doch nach allen Regeln der Kunst die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser haben und das ist im Internet das A und O. (oder schreibt man das Ah und Oh?) Zumindest bin ich zu diesem Schluss gekommen nachdem ich kürzlich einen einwöchigen Kurs der hiesigen Volkshochschule zum Thema Bloggen besucht habe. Die Hälfte aller Texte wird nur überflogen, habe ich dort gelernt. Man kann also guten Gewissens schwachsinnige Fachbegriffe oder  Anglizismen verwenden, die sowieso nur von einem Bruchteil der Menschheit verstanden werden. Die Zeit für Irritationen und Recherchen nehmen sich die wenigsten.

In den ersten Sätzen eines Beitrages soll klar werden worum es geht und was der Autor eigentlich für eine Botschaft hat. Auch der Name eines Blogs soll wohl gewählt sein und möglichst eindeutige Rückschlüsse auf den Inhalt geben. Wir haben uns dann gleich mal meinen Blog angesehen und waren etwas ratlos. Voller Begeisterung hatte ich zuvor davon berichtet, wie ich durch analoge Schreibwerkstätten auf die Idee gekommen bin, ähnliches im Internet zu probieren. Die Begeisterung der vier Kursteilnehmer legte sich allerdings, nachdem wir uns den ersten Text angesehen hatten. Die Abwesenheit des Dativs und vieler Satzzeichen schmälerte bei einigen Kursteilnehmern und der Dozentin das Lesevergnügen. Ich hatte den Dativ bislang nicht vermisst. In Hessen kann man sehr gut ohne so etwas Abitur machen. Nachdem dieser Makel nun an mir klebte kamen wir zum Namen meines Blogs. Zu „Schreiben wärmt“ kamen allerhand Assoziationen auf, die so gar nichts mit diesem Blog zu tun hatten. Ganz im Gegenteil, lautete die Vermutung. Der Name wecke Erwartungen, die auf meiner Seite nicht erfüllt würden. Einige dachten an behagliche Wohnstuben mit gemütlichen Sofas sowie selbstgestrickte Wollklamotten und heißen Tee. Dieses Ambiente würde mein Blog Name suggerieren. Das ist ein bisschen blöd, da ich überhaupt keinen Tee trinke. Ich mag selbstgestrickte Socken, da sie gegen kalte Füße helfen und trinke Kaffee mit Milch. Vorgelesenen Geschichten können schön wärmen auch wenn sie von Kälte handeln. Bei so mancher Sommergeschichte ist es mir allerdings auch schon kalt den Rücken runtergelaufen. Ich habe kurz überlegt, ob ich den Blog nicht im „Milchkaffee wärmt“ umrennen soll, doch das erwies sich ebenfalls nicht als zielführend. Wahrscheinlich wäre „schreiben bewegt“ gut aber ich finde den alten Namen irgendwie schön und so ein bisschen Irreführung gehört ja zu Leben dazu.

Die Botschaft

Nachdem wir einen Teil des Textes „Schöpferische Neubauten“ gelesen hatten wusste ich, dass niemand im Raum eine Vorstellung von der Botschaft des Autors hatte. Das war insofern  beunruhigend, da der Autor anwesend war. Gut, hätte man den Text mit mehr Enthusiasmus und bis zum Ende gelesen, wüsste man was drinnen steht. Doch so viel Zeit muss heutzutage nicht mehr sein. Tja, wieder was gelernt. Zu meiner Ehrenrettung muss gesagt werden, dass ein Kursteilnehmer eine gewisse Art von Humor feststellen konnte. „Prima, geht doch“, dachte ich mir. Botschaften, Satzzeichen, Zwischenüberschriften und Dative in den ersten Teil eines Textes zu packen grenzt schon an Arbeit. Wo bleibt da der Spaß an der ganzen Sache? Andererseits bin ich schon an ganz anderen Herausforderungen gescheitert und habe mich nicht unterkriegen lassen. Weiterentwicklung ist unser eigentliches Lebensziel. Der Weg ist das Ziel. (Obwohl ich einen Freund habe, der hartnäckig das Gegenteil behauptet). Ich mache jetzt aus ungefähr jedem dritten N ein M, setze mehr Kommas, leiste mir ein paar Zwischenüberschriften und hoffe, dass irgendjemand irgendwelche Botschaften aus meinen Texten herausfiltern kann. Es gibt auch  Rechtschreibprogramme, die sehr gut Zeiten, Satzzeichen und Stil verbessern können. Diese Form der künstlichen Intelligenz bleibt mir leider aufgrund meines Geizes und meiner eingeschränkten Fähigkeiten bei der Installation solcher Programme, bedingt durch meine mittelmäßige natürliche Intelligenz, verwehrt.

Zielgruppen

Eine weitere große Überraschung für mich war, dass sich viele Blogger bewusst an bestimmte Zielgruppen wenden und es sogar Analysemöglichkeiten gibt mehr über die Zielgruppen und ihre Interessen herauszufinden. So kommt es vermutlich zustande, dass man nur noch das schreibt, von dem man glaubt, dass andere es hören wollen und nur das das serviert bekommt, was man lesen will. Selbst im Internet scheint es schwer zu sein mal über seinen Tellerrand hinaus zu schauen. Das Austauschen elektronischer Nachrichten, scheint nicht das Mittel der Wahl zu sein, für fruchtbare Diskussionen und kontroversen Austausch. Dafür kann man sich richtig schon anonym auskotzen und andere Menschen beschimpfen.

Elvis lebt

Das Bloggen verliert übrigens immer mehr an Verbreitung müsste ich lernen. Die Jugend twittert, youtubed und facebookt. Die typischen Bloggerinnen und Blogger sind eher zwischen 45 und 55 Jahre alt. Typisch für mich. Da interessiere ich mich mal für etwas und schon ist es vom Aussterben bedroht. Vielleicht sollte ich mich aber nicht zu sehr gegen Seniorengruppen sträuben. Denen gehört schließlich die Zukunft und irgendwie muss ich mich demnächst ja auch noch beschäftigen. Ein Dozent sagte, dass die Blogger die Rock and Roller des Internets seien. Sie veröffentlichen ihre Meinung ohne wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Beeinflussungen durch Dritte und haben Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Soweit die Theorie. In der Praxis bedienen professionelle Blogger viele soziale Netzwerke und Internetkanäle und finanzieren sich hauptsächlich durch Werbung. Aber der Rock and Roll wurde schon oft totgesagt und hat so manche Renaissance gefeiert.

Mit dem zunehmenden Datenmissbrauch gäbe es auch eine Tendenz zu geschlossenen Netzwerken, die bestimmt durch Interessen seien. So eine Art Geschichten- Darknet könnte mir gefallen.

Die optimale Textlänge beträgt 1040 Wörter

Die eingangs versprochenen Enthüllungen sind natürlich leere Versprechungen. Mein Ziel, irgendjemanden zum Lesen dieses tiefschürfenden Beitrages zu animieren, habe ich damit aber erfüllt. Um die versprochene Belohnung möchte ich mich aber nicht drücken. Ich werde großzügiger Weise jeder Leserin und jedem Leser eine..

(Huch, die optimale Textlänge ist erreicht. Na ja, das nächstes Mal mehr davon)

 

28 Kommentare zu „Gedankensalat im VHS Kurs“

      1. Im Kurs war eine Frau, die einen Ernährungsblog für Kinder plante. Sie wollte ihnen Gemüse näher bringen.Es war ihr ein Anliegen und sie hatte ein paar Ideen. Sie hatte auch die Vorstellung damit Geld zu verdienen. Letzteres ist das Hauptziel eines kommerziellen Blogs denke ich.

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      2. Das wiederum finde ich super und hätte ich auch nicht empfohlen. Ich habe bei „Schreiben wärmt“ an das gedacht, woran du auch dachtest und hatte keinerlei Assoziation zu warmen WoZi-Stuben, Tee und Socken. Manchmal ist es klug etwas einfach auszuprobieren und der Erfolg gibt dir recht, nehme ich an. Auch wenn ich beichte, diese Beitrag nicht bis zu Ende gelesen zu haben. Weil mich schon am Anfang nervte, dass irgendwer glaubt in bezahlten Workshops lehren zu müssen wie man richtig bloggt. Wär ja noch schöner, wen man das nicht auch einfach tun und ebenso Erfolg damit haben kann. Wobei Erfolg sich sehr individuell deuten lässt. Aber das was du vorhattest, läuft doch…

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      3. Ich bin in der Tat ganz zufrieden mit den Rückmeldungen, die ich bekomme und gebe auch gerne meinen Senf zu anderen Beiträgen ab. Ich finde Deinen individuellen Ansatz auch kleine Dinge und Entwicklungen als Erfolg zu betrachten gut. 🙂

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  1. Ok, ich bin definitiv ein Negativbeispiel mit meinem Blog 😂. Aber mal ehrlich, so pauschal kann man es eh nicht festlegen. Ich kenn kaum einen, den ich lese, der sich an diese Standards hält. Und die, die es tun…naja.
    Ich mag den deinen. Es ist einer der echten und die sind meist „aus dem Bauch“ raus.
    Aber interessant zu hören was in solchen Kursen gelehrt wird.

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  2. Ja zum Glück halten sich nicht alle an die Standards. Das wäre dann doch zu durchsichtig. Danke für Dein Urteil über meinen Blog. Das empfinde ich als Lob. Ja, der Kurs war tatsächlich interessant. Ich habe natürlich unterschlagen, dass gleich zu Beginn gefragt wurde, ob man kommerzielles Interesse am Bloggen hat oder nicht. Die ganzen Tipps waren dann eher für Leute, die das kommerziell aufziehen wollten. Das ist zum Glück nicht mein Interesse. Ich verbreite lieber weiter mein Bauchgefühl.

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  3. Auch ich bin über Frau Wildgans hierher gekommen. Beim lesen breitete sich ein wunderbar wärmendes Bauchgefühl in mir aus. Schön ist das! Und nun hast du eine „followerin“ mehr, die auch keinen kommerziellen Blog betreibt, nur ab und an ihre Bilder bewirbt.
    Zur genannten Altersgruppe gehöre ich auch nicht und staune was man so einem VHS-Kurs erzählt bekommt.
    herzliche Grüße und fröhliches Weiterschreiben, ob nun mit oder ohne Dativ/Genitiv
    Ulli 🐻

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  4. Also gut, jetzt weiß ich endlich, warum keiner mein Blog liest. (Am Dativ liegt es aber eher nicht.) De facto habe ich aber mit dem Bloggen nicht angefangen, um gelesen zu werden, sondern um zu schreiben. Ich hatte damals einen Job, in dem ich anderer Leute Texte beurteilen musste. Die Kriterien, nach denen ich beurteilen sollte, passten aber nicht. Ich brauchte also einen Ort, an dem ich frei schreiben konnte. Den habe ich. Ich blogge nur zu meinem Privatvergnügen, weiß aber, dass nicht jeder da so wurschtig ist.

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    1. Das ist im Prinzip auch meine Motivation. Schreiben macht aber nur richtig Spaß, wenn man das geschriebene auch teilen kann. Ich hatte gehofft bei dem VHS Kurs noch ein paar Mitstreiter kennenzulernen. Die Interessen waren aber doch zu verschieden. Um so schöner, dass sich durch Wildgans einige Menschen auf meineBlog verirrt haben und ich bei Gelegenheit schauen kann was die auf ihren Blogs so treiben.

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  5. Hallo, auch mich hat der Wildgans-Link neugierig hierher getrieben.
    Lustig, was man alles so in der Volkshochschule lehrt und lernt.
    Meinen Blognamen „Claras Allerleiweltsgedanken“, den ich mir vor fast 10 Jahren ausgedacht habe, finde ich auch heute noch passend.
    Dass der Dativ fehlen soll, kann ich nicht bestätigen, viel öfter mangelt es den Texten doch am Genitiv. Wer verwendet schon hinter „wegen“ einen Genitiv – kaum jemand.
    Und noch eine andere Aussage kann ich nicht bestätigen – eine Länge von 1040 Worten erscheint mir sehr viel – wer hat heute noch die Zeit, gründlich und lange zu lesen? Wenige.
    Ich tendiere zu Textlängen zwischen 500 und 700 Worten oder besser Wörtern – nur im Ausnahmefall überschreite ich die 1000.
    Ich werde weiter schnuppern kommen.
    Mit Gruß von Clara

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    1. Oh. Jetzt auch noch ein Genitiv Problem? Den finde ich eigentlich total Klasse. Auch im persönlichen Gespräch lässt er einen so kompetent wirken. Die optimale Textlänge soll sogar bis 1200 Wörter reichen. Die 1040 Wörter sind nur der Dramaturgie des Textes geschuldet uns somit erfunden. Es freut mich, dass Du weiter vorbei schauen möchtest. Ich bin natürlich auf Deinen Blog neugierig geworden.

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  6. Interessant, was man den Leuten in der VHS beibringt. UNd löblich, dass du dir das angehört und darüber berichtet hast. Was mich bertrifft, ist alles nicht hilfreich. Schon der Ausssage, dass Texte nur überflogen werden, kann ich nicht zustimmen. Wo in den Kommentaren eine gepflegr´te Interaktion stattfindet, schließt sich das aus. Das zeigt aber auch Grenzen. Der Kreis kann nicht beliebig erweitert werden, wenn man wechselseitig lesen und kommentieren will. Gut, dass du dass VHS-Wissen über Blogs mit einem Augenzwinkern siehst.

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  7. Also jetzt hab ich so oft das Wort Dativ in den Kommentaren gelesen, daß ich doch nachfrage: was’n das ? Das mit den Beistrichen hab‘ ich verstanden.
    Gratuliere zu Deinem Durchhaltevermögen an der VHS. Ich bin da konsequenter und verabschiede mich recht schnell und sehr grantig, wenn soviel Schwachsinn und Unwichtigkeiten postuliert werden. Ich nehme an Massenbelehrungen allerdings grundsätzlich nicht mehr teil – Deine subtile Ironie ist angekommen 😉
    Deine Abhandlung darüber empfinde ich beinahe so, wie ich mir einen ‚Artikel‘ in zB einer Zeitschrift vorstelle, die sich selbst ernst nimmt und als seriös angesehen werden will – zu lang ist sie auf keinen Fall, weil da isja nix mit Rhetorik und Luft und Zeilen verbrauchen, sondern es stehen erlebte Dinge drin – was will man mehr, was erwartet man sich denn in einem Blog ? Ich erwart‘ mir gar nichts und die Oberflächenkräusler finden einander sowieso recht bald – hanebüchen zu sein ist In 😉
    Frau Wildgans herself war nicht schuld daran, daß ich schlußendlich auch hier landete, sondern ein Sternchen auf einen Kommentar von mir in ihrem Blog, den andere ev als Provokation deuten hätten können – das fand ich interessant und ebenso das Pseudonym – war gespannt 😉
    Bleib‘ nur so schön ausschweifend, wenn Du beschreibst – als Ausgleich könntest Du 17-Zeiler probieren … ist auch ganz lustig, die ganze Info, die man im Kopf hat, derart zu komprimieren – viel Spaß noch weiterhin mit Schreiben !
    P.S.: Zwischentitel (oder größerer Abstand zum nächsten Absatz) in Kurzgeschichten die ein wenig länger ausfallen, sind vllt nicht nötig, aber unterteilen die Story angenehm in miteinander verwandte Abschnitte oder als Spannungssteigerer, falls jemand zB auf ein dick pic wartet oder auf wenigstens ein cookie – denke jedoch, das weißt Du selbst 😉

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  8. Der seriöse Charakter des Beitrags kommt wohl dadurch zustande, dass ich versucht habe einen Text nach den Regeln der Kunst zu verfassen. Zum Glück ist die Ironie angekommen. ☺ Der Kurs hieß übrigens „Besser bloggen mit WordPress“ und enthielt auch viele technische Details, die ich als hilfreich empfunden habe, da ich nicht so der Computerfreak bin. Danke für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Hinweise.

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