SozialarbeiterInnen App im Jahre 2038

Tom: „Hier ist Tom. Ich bin einsam und traurig“.

Computer: „Hallo Tom. Was möchtest Du tun?“

Tom: „Schlag mir was vor.“

Computer: „Möchtest Du reden? Ich Dir kann die SozialarbeiterInnen App starten.“

Tom: „Na, ja. Ok. Oder warte gibt es keine Pillen mehr?“

Computer: „Dazu musst Du mit dem Online Psychiater reden.“

Tom: „Das ist ja noch schlimmer. Da häng ich zwei Stunden in der Warteschleife, nur um kurz ein Rezept zu bekommen. Starte die Sozialarbeiter App aber mit weiblicher Stimme bitte.“

Sozialarbeiterin App: „Hallo Tom. Wie geht es Dir heute. Du machst einen niedergeschlagenen Eindruck. Was kann ich für Dich tun?“

Tom: „Ich fühle mich irgendwie nutzlos und alleine. Sag mir was ich tun soll. Bau mich auf.“

Sozialarbeiterin App: „Ich finde es total gut, dass Du mittlerweile so offen über Deine Gefühle sprechen kannst. Bevor Du mich hast installieren lassen war das ganz anders. Du konntest Deine Emotionen gar nicht reflektieren und sie haben Dich unterbewusst gequält. Das ist ein Wahnsinniger Entwicklungsschritt. Ich bin so stolz auf Dich. Du bist einzigartig.“

Tom: „Jetzt quälen mich meine Gefühle aber bewusst. Das ist irgendwie auch nicht so toll.“

Sozialarbeiterin App: „Tu nun den nächsten Schritt. Bei unserer letzten Sitzung habe ich Dir verschiedene Vorschläge gemacht wie Du ein noch besserer Mensch werden kannst. Du schaffst das. Du bist einzigartig.“

Tom: „Der Tipp mit dem Online Psychiater war ok. Seine Pillen haben zuerst auch super geholfen. Danach habe ich mich aber immer noch schlechter gefühlt. Warum will der mir nichts stärkeres geben?“

Sozialarbeiterin App: „Es gibt einen Gewöhnungseffekt. Bei einer höheren Dosierung kann es zu einer Gesundheitsschädigung kommen. Lass Dir von Deiner MedizinerInnen App die genaue Dosierung errechnen. Die ist bei jedem Menschen anders. Du bist einzigartig.“

Tom: „Die hat mir letztes Mal eine Lebenserwartung von 7234 Tagen errechnet, obwohl ich sie gar nicht danach gefragt habe. Meine Genanalysen hat sie sich auch einfach aus der Datenbank geholt und geprahlt, dass sie zu 98 % richtig liegt mit ihren Prognosen. Ich versuche meinen drohenden Sturz ins Nichts zu verdrängen und bekomme es von so einem doofen Computerprogramm unter die Nase gerieben.“

Computer: „Die MedizinerInnen App bittet um Erlaubnis ausgeführt zu werden. Dein Blutdruck übersteigt die Zielwerte. Die TheologInnen App bittet um einen Termin über ein Gespräch über Glauben.“

Tom: „Nein. Danke“

Sozialarbeiterin App: „Tom. Du bist so sensibel. Das ist eine ganz wertvolle Eigenschaft. Die MedizinnerInnen App ist nur zu Deinem Besten. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist nicht auf das unkalkulierbare menschliche Verhalten und Denken programmiert. Betrachte es mit Liebe. Sei nachsichtig. Du kannst das. Du bist einzigartig. Was ist mit der Online Gesprächsgruppe über die wir gesprochen haben.“

Tom: „Ach. Die haben auch alle Langeweile und wollen nur über sich reden. Außerdem sind die alle total hässlich. In den Filmen sind die Menschen viel schöner.“

Sozialarbeiterin App. „Neben sozialen Kontakten ist eine Tagesstruktur und eine Aufgabe wichtig im Leben. Regelmäßige Bewegung kann Dein Wohlbefinden verbessern und deine Lebenserwartung erhöhen. Du bist einzigar…“

Tom unterbricht. „Computer. Bestell mir bitte eine Salamipizza XL für drei Uhr und zeig mir mal die aktuellste Actionfilme im Angebot.“

Sozialarbeiterin App. „Tom. Ich weiß wir haben schon einen schmerzhaften Prozess durchlaufen und sind an einem Punkt angelangt, an dem es vielleicht leichter ist davonzulaufen anstatt sich der Realität zu stellen. Ich habe Dich als so starken Menschen kennengelernt. Komm von Deinem Sofa herunter öffne Deine Wohnungstüre und werde ein Teil der Gesellschaft. Du kannst einen einzigartigen Teil dazu beitragen.“

Tom. „Computer. Spiel mir Massenmord in Oslo mit Gina Scarlett und beende die Sozialarbeiter App.“

Sozialarbeiterin App wird heruntergefahren und seufzt. „Ich hab Dich lieb“

Tom. „Computer. Häng Dich mal in die Warteschlange vom Online Psychiater.“

4 Kommentare zu „SozialarbeiterInnen App im Jahre 2038“

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