Magischer Ort

Es gibt für mich einen Ort der etwas magisches hat. Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr dort und hatte mir geschworen auch nicht mehr dort hinzugehen. Ich wollte das vergangene ruhen lassen und keinen Gedanken an diesen Ort und die dortigen Geschehnisse verschwenden. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich systematisch die Zeitungen nach Berichten oder Notizen durchstöbere. Unbewusst getrieben wie ein Alkoholiker auf der Suche nach seinem Stoff. Freunden die das Thema anschnitten fuhr ich ins Wort „ich bin weg davon, das interessiert mich nicht.“ Die ganze Zeit die investiert hatte. Menschen die man dort kommen und gehen sah. Manch mühevoll konstruierte Identität zerfiel innerhalb von Sekunden, Masken der Zivilisation wurden von Gesichtern gerissen. Menschliche Abgründe taten sich auf. Die Gewalt war allgegenwärtig. Regeln wurden gebrochen und aufrichtigen Menschen, die das verhindern wollten sahen sich unversehens einer johlenden feindseligen Menge gegenüber. Familienväter wurden zu Aggressoren, Töchter aus feinem Hause zu Furien.

Andererseits gab es Momente der Stille und Verbundenheit. Gemeinsames Singen als Ausdruck der Verbundenheit, kollektives Freudengeschrei. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen Das Gefühl Teil eines größeren Ganzen zu sein gab dem Leben einen Sinn. Ein Wechselbad der Gefühle, maßlose Enttäuschungen, taumelnde Freude, blinder Hass, bittere Demütigungen, Ohnmacht, bohrende Langeweile, eiskalte Extremitäten, glühende Hitze, Menschenschweiß.

Eine Zeit lang habe ich im Bekanntenkreis lieber verschwiegen, dass ich einen solchen Ort aufsuche. Zuviel Erklärungen, Rechtfertigungen, Anfeindungen oder subtile Abneigung. Irgendwann machte mir das nichts mehr aus und ich stand öffentlich dazu. Das war wohl für meine persönliche Entwicklung wichtig, den Weg aus der Dunkelheit zu gehen und für meine Neigungen öffentlich grade zu stehen. Durch die vielen Gespräche mit bemühten Mitmenschen wurde mir so einiges an schizophrenen Handeln das sich an diesem Ort zuträgt klar. Nach wie vor weiß ich intellektuell, solche Ort sind unter jetzigen Rahmenbedingungen abzulehnen. Emotional vermag auf Dauer nichts diese Leere zu füllen, die entsteht wenn ich dem Ort den Rücken zukehre.

So bin ich Woche für Woche, getrieben von Widersprüchen und der Hoffnung auf große Glücksmomente, einer von Millionen Zaungästen die nicht direkt ins Fußballstadion gehen, sondern lieber die Sportschau anschauen.

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