Schöpferische Neubauten

Frankfurt am Main ist nicht nur die kleinste Weltstadt der Welt, sondern hat noch mit einem weiteren Superlativ aufzuwarten. Wir haben hier jetzt die neueste Altstadt der Welt. Die Neue Altstadt ist noch nicht mal richtig fertiggestellt und wird erst Ende dieses Monats eingeweiht. Das nenne ich mal Geschichte im Schnelldurchlauf. Für schlappe 200 Millionen Euro wurden 35 Häuser auf den Grundrissen der 1944 zerstörten Altstadt gebaut. Seit Mai dieses Jahres ist das Areal begehbar und ich habe es mir nicht nehmen lassen, dort sofort nach dem Rechten zu sehen. Meine ersten Gedanken waren Edward Hopper, Freilichtmuseum und das kann ganz schön werden. Viele Frankfurterinnen und Frankfurter fühlen sich nach meiner Wahrnehmung ähnlich ambivalent, wenn sie an ihre Neue Altstadt denken. Einige Bilder von Edward Hopper sind von vordergründiger Schönheit und lösen in mir Gefühle von unbestimmter Einsamkeit und Verlorenheit aus. Es sind dort meist Menschen gemalt und ich würde sie nicht als kalt bezeichnen, doch fehlt ihnen Wärme und Leben. Trotzdem würde ich mir das ein oder andere Werk aufhängen, da es immer wieder neue Aspekte zu entdecken gibt. Ähnliches trifft auf unsere noch unbewohnte Neue Altstadt zu. Staunende Menschenmassen schauen sich leere Häuser an. Jeder ist gekommen, um etwas Neues zu entdecken. Womit wir beim musealen Teil dieses Beitrages angekommen wären. Die Menschen strömen in die Neue Altstadt, wie in ein Freilichtmuseum, um einen Eindruck von einer untergegangenen Zeit zu bekommen. Ob dort richtiges Leben möglich ist, gilt es erst noch zu beweisen. Ich habe unlängst selber an einer Stadtführung teilgenommen und mich gleichzeitig mit vielen anderen Touristengruppen durch die Gassen gedrängelt. Sofern unsere Stadtführerin die amerikanische und chinesische Konkurrenz übertönen konnte, erfuhr ich durchaus wissenswertes. Der mittelalterliche Krönungsweg der deutschen Kaiser befand sich die letzten 70 Jahre beispielweise in einer Tiefgarage. Der kaiserliche Weg vom Dom zum Kaisersaal im Römer, Schöpferische Neubauten weiterlesen

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#wirsindmehr

Eine unterstützendswerte Aktion von Josef Dahlhaus Ericksen zu einem Thema, das uns alle bewegt.

Bunt und farbenfroh ...

Mensch sein. © Joseph Dahlhaus-Erichsen

Ich gebe es gerne zu: Ich war müde und es ging mir nicht sehr gut, als meine Tochter mich ansprach. Wir hatten alle über einen Messenger einen Link bekommen, in dem wir dazu aufgefordert wurden, einen offenen Brief an alle Rechten, Nazis, Identitären und „besorgte Bürger“ online zu unterschreiben. Meine Tochter fragte: „Ganz ehrlich: Was ändern wir mit der Unterzeichnung eines offenen Briefes, den sowieso keiner von denen liest?“ Ich hatte keine Lust mich mit meiner Tochter, die sehr vehement und mit festem Standpunkt diskutiert, jetzt auf einen Diskurs einzulassen und sagte nur knapp: „Ich gebe dir recht. Ich sehe es genauso.“ Dennoch lies mich ihre Frage nicht los und ich überlege … ja, was ändern wir damit?

Die Nachrichten der letzten Tage kennt jeder. Je nachdem, welche Nachrichtenquellen wir nutzen, liest jeder das, was er gerne lesen möchte und sich in seiner Meinung bestätigt…

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Deporties ! Randnotizen der Geschichte

Die Stadt Frankfurt am Main hat es, bedingt durch die Größe ihres Flughafens und die Besonderheiten der deutschen Geschichte, mit einem seltenen Phänomen zu tun. Deutsche Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die aus dem Ausland abgeschoben werden, landen meistens in Frankfurt. Der hiesige Flughafen ist der viertgrößte Europas und eines der bedeutendsten Luftfahrtdrehkreuze der Welt. Die meisten der jährlich 64 Millionen Passagiere steigen in Frankfurt nur auf andere internationale Linie um. Wo ein großer Hafen ist, gibt es auch einen Haufen Gestrandeter. Das hat jetzt weniger etwas mit Seefahrerromantik zu tun, zumal Hessen bekanntlicherweise ein Binnenland ist, sondern eher mit trauriger Realität. Das merkwürdige an diesen meist männlichen deutschen Abgeschobenen ist, dass viele überhaupt kein deutsch sprechen können. Manche von ihnen wussten nicht mal, dass sie einen deutschen Pass haben, obwohl sie in Deutschland geboren wurden. Sie finden das merkwürdig? Ich finde es wäre merkwürdig, wenn sie das nicht merkwürdig fänden. Die Erklärung ist allerdings recht einleuchtend. Die Betroffenen sind im Kleinkindalter mit ihren Familien ausgewandert. Viele amerikanische Besatzungssoldatinnen und Soldaten haben mit Deporties ! Randnotizen der Geschichte weiterlesen

Ein ironiefreies Hoch auf die Europäische Union

Seit die Europäische Union den Bürgerinnen und Bürgern aller Mitgliederstaaten die volle Freizügigkeit gewährt hat, kommen jede Menge  Menschen aus Südosteuropa in unsere Sozialsprechstunde. Das ist gut, denn es erhält meinen Arbeitsplatz. Der Haken an der Sache ist, dass die wenigsten deutsch oder wenigstens eine der westlichen Weltsprachen englisch, französisch oder spanisch sprechen. So eine Sozialberatung bereitet wenig Freude wenn man die Worte seines Gegenübers nicht verstehen kann. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs sprach man auf der anderen Seite eher russisch, wenn es mal international wurde. Das war im Westen aber nicht so angesagt. Chinesisch sprechen auch viele Menschen aber halt nur in China. So ist man also auf Gesten und sonstige Hinweise angewiesen. Einige meiner Kolleginnen und Kollegen haben es schon zu beachtlichen pantomimischen Fähigkeiten gebracht. Eine Kollegin führt für das Wort Schlafsack einen schlängelnden Tanz auf, der mich stark an den Regenwürmer Tanz aus dem Kindergarten erinnert. Es soll wohl der Versuch sein darzustellen, wie man in einen Schlafsack hineinkrabbelt. Ich bin mir sicher, dass niemand weiß was das zu bedeuten hat. Die Stimmung ist danach aber immer äußerst ausgelassen und das ist schließlich auch was wert. Spätestens wenn man dem Menschen dann tatsachlich einen realen Schlafsack unter die Nase hält, versteht dieser dann worum es geht. Es ist zwar gut möglich, dass ein arbeitssuchender Mensch unsere Beratungsstelle dann mit einem Schlafsack verlässt oder jemand der rechtliche Probleme hat von uns einen Einkaufsgutschein bekommt, aber das sind Feinheiten. Wir haben es auch schon mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern versucht. In Europa herrscht aber ein geradezu babylonisches Sprachengewirr. Da sitzt die rumänische Ein ironiefreies Hoch auf die Europäische Union weiterlesen

Sofazyklen und Fliehkräfte

Ich habe eine große Leidenschaft, der ich schon lange mit ungebrochener Freude fröne und die mir ein wenig peinlich ist. Da das hier ja unter uns bleibt, möchte ich trotzdem gerne davon berichten. Seit frühester Kindheit genieße ich es auf dem Sofa zu liegen. Ich habe es bei meinem Hobby schon bis zur regelrechten Meisterschaft gebracht. Das klingt jetzt vielleicht etwas lächerlich aber in Wahrheit gibt es tausende von Kräften, die einen daran hindern wollen seiner wahren Bestimmung zu folgen. Ich meine die Fliehkräfte des Lebens, die einem sozusagen vom Sofa schleudern, wenn man nicht konsequent dagegenhält. Schon in Kindheitstagen muss man im Familiensystem mit groben Störungen rechnen, da das Sofa oft dem von der Arbeit heimkehrenden Familienoberhaupt vorbehalten ist. In meiner Kindheit war das jedenfalls so. Vielleicht hat die Emanzipation ja zur heutigen Verbreitung der Sofalandschaften geführt aber damals herrschte Sofaknappheit. Einen weiteren, aus psychoanalytischer Sicht  hoch interessanten Aspekt, trug meine Mutter zu all dem bei. Sie bezeichnete mich als Phlegmatiker. Das führte zwar dazu, dass ich mich früh für Fremdwörterlexika interessierte aber fort an meine Rolle in der Familie innehatte. Das mein großer Bruder ein Zappelphillip (heute wurde man vermutlich ADHS dazu sagen) war verstärkte die ganze Angelegenheit zu meinen Ungunsten. Ich fügte mich also meiner Zuschreibung und wurde als Familienmitglied, das Bücher las und sich nicht ständig irgendwelche Sportverletzungen zufügte, schnell von meinem Vater in spöttisch stolzer Weise „Professor“ genannt. Schwer war das nicht, da ich einfach nur zur Schule gehen musste ohne zu schwänzen und meine Hausaufgaben erledigte ohne größeres Theater. Meine Eltern waren so etwas nicht gewohnt. Mit der Rolle des Professors hatte ich mir ein gewisses Anrecht erworben auf dem Sofa zu liegen. Zugegeben, das hatte seinen Preis aber genau das soll hier das Thema sein. Es ist schwierig als Sofazyklen und Fliehkräfte weiterlesen

Von Grauzonen, Erkenntnissen und beleidigten Pförtnerinnen

Wenigstens eine tiefere Erkenntnis konnte ich im Laufe meines Lebens gewinnen. Verscherze es Dir nie mit Hausmeistern oder Pförtnern. Ob das auch für Hausmeisterinnen gilt kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, da dieser Berufsstand erstens vom Aussterben bedroht ist und zweitens die Emanzipation der Frauen an ihm scheinbar spurlos vorbeigezogen ist. Ich habe im Laufe der Zeit erst eine Hausmeisterin kennenlernen dürfen. Der klassische Hausmeister trug früher einen grauen Kittel und eine Schirmmütze. Seine Aufgabe war es für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, sowie Dinge zu reparieren. Manch ein Exemplar schoss über das Ziel hinaus und versuchte die Hausnutzer mit erzieherischen Maßnahmen zu Erfüllungsgehilfen seiner Aufgaben umzuerziehen. Da wurde fast im Stil des Blockwartes versucht jede Art von schmutzenden, lärmenden, individuellen oder sonst wie lebendigen Verhalten auszumerzen. Sein Ansehen erwarb er sich durch bereits erwähnte Reparaturen, die stets korrekt und zuverlässig durchgeführt wurden. Die Gründe sich mit diesen Zeitgenossen gut zu stellen lagen auf der Hand. Keine nervigen Gespräche und funktionierende Rollläden. Den Todesstoß erhielt diese Berufsgruppe übrigens nicht durch die 68 er Revolution und die davon ausgehenden gesellschaftlichen Umwälzungen, sondern schlicht und einfach durch den Kapitalismus. Viele öffentliche Wohnungen wurden von Investoren erworben, die lieber ihre Gewinne maximierten wollen als Hausmeister zu bezahlen. Sperrmüllhaufen in den Gängen oder auf den Grünflächen, sowie lange Wartezeiten für Reparaturen durch unpersönliche externe Dienstleister stören die Aktionäre nicht sonderlich. Wer gehofft Von Grauzonen, Erkenntnissen und beleidigten Pförtnerinnen weiterlesen

Glück auf ! Neues aus dem Berg der Trivialitäten

Während des Urlaubs habe ich ein Besucherbergwerk in der Eifel besucht. Außer einem großen Fleck auf meiner hellen Hose habe ich noch eine weitere Erinnerung von diesem Besuch mitgebracht. Wir standen etwa einen Kilometer tief im Bergstollen. Aufgrund meiner Körpergröße, war es mir nicht vergönnt aufrecht zu stehen und ich war sehr froh über den obligatorischen Helm mit dem ich des Öfteren im Dunkeln anstieß. Die Bergwerksführerin zeigte auf ein etwa fünfzigmal fünfzig Zentimeter breites Loch und berichtete, dass es sich um einen Stollen der ersten Generation handelte. Diese wurden ausschließlich mit Hammer und Meißel per Hand geschlagen und waren entsprechend klein. Der Bergmann lag auf dem Rücken oder Bauch und hämmerte sich in den Berg. Ich bekam schon vom Reinschauen Platzangst. „Wir wissen nicht genau wie das Erz aus dem kilometerlangen schmalen Stollen heraus transpotiert wurde, da sich der Bergmann nicht drehen konnte“, wusste die Führerin zu berichten. Die einzige Erklärung dafür liegt auf der Hand aber ist nirgendwo aufgeschrieben worden. Sechs- bis zehnjährige Kinder sind dem Vater in den Stollen hinterhergekrochen und konnten Erzsäcke zum Ausgang ziehen, da sie in der Lage waren sich dort zu drehen. Einen schweren Sack vor sich her zu stoßen hätte viel mehr Aufwand bedeutet. Die Bergwerksführerin zeigte auf die zehnjährigen der Besuchergruppe und sagte nur: „Ihr wärt schon zu groß dafür gewesen“. Abgesehen davon, dass ein zehnjähriges Kind heute nur mit größtem Motivationsaufwand zum Heraustragen des Müll bewegt werden kann, ist es unvorstellbar was Kinder damals leisten mussten. Die Gefahren für heutige Kinder liegen ja eher in übermäßigen Zuckerkonsum und Haltungsschäden durch mangelnde Bewegung. Kinder nehmen sich allerdings Erwachsene zum Vorbild und ahmen diese nach. „Warum wissen wir es nicht genau, dass Kinder hier im Bergwerk arbeiteten und können es uns nur zusammenreimen? „, fragte die Führerin nun. Große Ahnungslosigkeit machte sich in der Besuchergruppe breit. „Ganz einfach. Es war so normal, dass es niemand für notwendig hielt es aufzuschreiben“, erklärte sie. An diesem Punkt wurde ich hellhörig. Welch ein Versäumnis. Dinge gehören doch aufgeschrieben, um sie der Nachwelt zu bewahren. Nichts leichter als das. So lange ich auf dieser Erde weile, soll so etwas nicht nochmal geschehen, beschloss ich Glück auf ! Neues aus dem Berg der Trivialitäten weiterlesen

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Wiedergekäutes von der BLOGHÜTTENALM

Mallybeau Mauswohn lädt ein zu Kunst, Film, Satire und Geschichten über Tiere

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