Alles für die Katz – Letzter Teil

was bisher geschah Teil 14

Vier Wochen später war klar, dass Frau Feyerabend länger als 6 Monate in Haft bleiben musste. Das Sozialamt lehnte die Übernahme der Mieten ab. Thomas hatte Herrn Schaffernicht angeschrieben aber keinerlei Reaktion erhalten. Die erste Miete war nun überfällig. Nach zwei fälligen Monatsmieten wurde normalerweise eine Kündigung ausgesprochen. Die Zeit drängte. Vielleicht kann Herr Schaffernicht den Mietvertrag von Frau Feyerabend übernehmen und die Mietzahlungen beantragen, überlegte Thomas. Er wohnte ja schon dort. Wenn Frau Feyerabend einverstanden wäre, könnte das die Lösung sein. Er beschloss die Wohnungsbaugesellschaft und Frau Feyerabend über ihren Verteidiger per Mail, um Zustimmung zu bitten. Herrn Schaffernicht würde er einen Besuch abstatten müssen. Er verzichtete auf die obligatorische schriftliche Einladung, da er sowieso das Gefühl hatte, dass das in der Vergangenheit nicht sonderlich erfolgreich gewesen war. Spontan fuhr er zur Wohnung des Paares und klopfte wie so oft an die Türe, da das Klingeln ohne Reaktion blieb. Herr Schaffernicht öffnete und bat Thomas herein. Die Küchenzeile stand immer noch halb montiert im Raum. Dazwischen hatten sich kleine Häufchen mit Kleidung und Müll gebildet. Fußleisten und Lampen gab es nicht. Immerhin war das Sofa ausgepackt. Es schien Herrn Schaffernicht als Schlafstätte zu dienen. „Wo ist denn der Fernseher?, fragte Thomas. „Sabine wollte, dass ich ihn verkaufe, damit die Katze was zu fressen bekommt. Meine Stütze reicht nicht für Hundefutter, Katzenfutter und mein Essen. Resigniert fragte Thomas: „Warum schlafen Sie eigentlich auf dem Sofa?“ Herr Schaffernicht versuchte sich an einem merkwürdigen Gesichtsausdruck. Eine Mischung zwischen bedauern und gewitzter Weisheit erschien auf seinem Gesicht. Er sagte: „Die Bettwanzen sind zurück. Ich habe ihnen ja gleich gesagt, dass das alles nichts bringt. Die haben in den Wänden auf mich gewartet. Aber keine Sorge. Die sind nur im Schlafzimmer. Ich lasse die Türe einfach geschlossen.“ Thomas hoffte inständig, dass Herr Schaffernicht lediglich unter einer Paranoia litt und näherte sich vorsichtig der geschlossenen Schlafzimmertüre. Als er sie öffnete verschwand die Katze hinter dem Bett. Auch hier lag Kleidung herum. Thomas konnte jedoch keine Bettwanzen entdecken. Hoffnung keimte in ihm auf. „Schauen sie mal am Kopfteil des Bettes“, wies ihn Herr Schaffernicht an. Thomas konnte nichts sehen. „Die verstecken sich und sind noch ganz klein“, flüsterte Herr Schaffernicht. Klarer Fall von Psychose, dachte Thomas und schob das Bett beherzt zur Seite, um einen Blick auf die Rückseite des Kopfteils zu werfen. Leider war der Mann noch Herr seiner Sinne. Dutzende aufgescheuchte kleine Bettwanzen versuchten dem plötzlichen Licht zu entkommen. Wäre er Tierfilmer gewesen hätte er Grund zum Jubeln gehabt. Das war ein Bilderbuchexemplar eines Bettwanzennestes mit seinen juvenilen Bewohnern. Er war aber leider nur Sozialarbeiter und hatte wenig Freude an der Darbietung. „Ich habe sie schon mal mit Haarspray besprüht, aber das hat sie nicht beindruckt“, sagte Herr Schaffernicht in das sich ausbreitende Schweigen. „Aha“, sagte Thomas. Die Frage woher die Viecher kamen sparte er sich. Das wurde er wohl niemals herausfinden. Er musste sich seine Niederlage eingestehen. Die Wohnung war im gleichen Zustand wie zuvor. Sämtliche Tätigkeiten, die er in dem Fall unternommen hatte waren letztlich wirkungslos geblieben. Er musste leider oft feststellen, dass es Falle gab in denen es egal war, ob er interveniert hatte oder nicht. Die Dinge nahmen ihren Lauf, mit oder ohne ihn. Die Verlockung nichts zu tun war groß. Wenigstens habe ich es nicht schlimmer gemacht, tröstet er sich. Eine Menge Handwerker, Verwaltungsangestellte, Ärzte und Pfleger waren durch die Aktion in Lohn und Brot gekommen. Den Berufsstand des Sozialarbeiters nicht zu vergessen, sinnierte er. Volkswirtschaftlich war das ein voller Erfolg, fügte er sarkastisch im Gedanken hinzu. Thomas verabschiedete sich von Herrn Schaffernicht und versprach bei der Wohnungsbaugesellschaft erneut einen Kammerjäger zu bestellen. Vielleicht war es bei den kleinen Bettwanzen mit einer Nachbehandlung getan. Ernsthaft glaubte er das nicht. Er musste diesen Russlandfeldzug stoppen. Er musste raus aus Vietnam. Wie sollte er das anstellen? Noch einmal würde er das Theater nicht mitmachen. Er würde einfach behaupten das Paar sei nicht wohnfähig. Ein schöner Bericht gespickt mit Fremdwörtern und er würde es selber irgendwann glauben. Er könnte sich auch im Kindergarten um eine neue Stelle bewerben. Obwohl die Helikoptereltern auch ein hartes Brot waren. Melancholisch gestimmt kam er ins Büro zurück. Als er die Ablehnung des Vermieters für eine Übertragung des Mietvertrages las, war er erleichtert. Die Wohnungsbaugesellschaft hatte die Faxen offensichtlich dick. Die Mieteinnahmen würden ausbleiben und eine Kündigung mit Räumung war die Folge. Es gab nichts was er dagegen tun konnte, stellte Thomas zufrieden fest. Er schrieb einen schönen Abschlussbericht, für den ihn sein Chef später loben sollte, und schloss die Akte erfolgreich. Die juvenilen Bettwanzen fanden in dem Bericht keine Erwähnung. Wer würde sich schon für so ein paar Babywanzen interessieren? Ein wenig Kreativität musste schon sein, sonst kämen das Elend nie zum

Ende.

Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern für die Kommentare und die Kritik. Ich hoffe mein Schreibexperiment hat vielen genau so viel Spaß gemacht wie mir.

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Alles für die Katz Teil 14

Was bisher geschah Teil 13

Als Thomas Herrn Schaffernicht vor der Unterkunft erblickte überkam ihn eine Welle der Erleichterung. Er hielt den Wagen direkt vor der dem Tor. Als er Ausstieg sprang der Hund schwanzwedelnd hinter ihm her und beschnüffelte den Wartenden. „Da bist du ja mein Lieber. Hast mich gleich wiedererkannt? Ja. Du Süßer“, grüßte Herr Schaffernicht das Tier und streichelte es ausgiebig. Thomas zeigte auf das Auto und sagte: „Die Katze ist im Auto.“ Herr Schaffernicht schaute kurz durch die Heckscheibe in den offenen Kofferraum und erwiderte: „Schön. Wo ist den Sabine? Sie ist heute Nacht nicht wiedergekommen.“ Thomas erklärte: „Es gab ein kleines Problem mit der Polizei. Wir werden die Sache heute ohne sie durchziehen müssen.“ „Es ist jetzt halt nix gepackt. Immer wenn es ernst wird stehe ich alleine da“, bemängelte Herr Schaffernicht und fügte hinzu: „Ich glaube ich gehe mal mit dem Hund Gassi. Der muss bestimmt mal nach der langen Fahrt.“ Thomas beschloss die Zügel anzuziehen und sagte: „Herr Schaffernicht, eigentlich hätten Sie das Zimmer bis 12 Uhr räumen müssen. Die Kostenzusage endet heute und wir müssen noch alles in die Wohnung bringen. Wenn sie Pech haben entsorgt das Hotel ihren Kram heute Abend.“ Eigentlich müsste für einen Auszug gegen den Willen der Bewohner aus einem Wohnheim ein Räumungstitel erwirkt werden und die Sachen müssten für vier Wochen eingelagert werden. Der Betreiber hatte diese lästige Pflicht wahrscheinlich umgehen wollen und das ehemalige Bürogebäude kurzerhand als Hotel deklariert. Ein Schmierzettel mit der Aufschrift Hotel würde einem gerichtlichen Prüfungsverfahren sicher nicht standhalten, aber das verschwieg Thomas Herrn Schaffernicht geflissentlich. Er wollte keinen juristischen Feldzug starten, sondern einen Umzug über die Bühne bringen. Murrend folgte Herr Schaffernicht Thomas auf das Zimmer und half alle herumliegenden Dinge in Müllsäcke zu stopfen.

Als sie die Wohnung von Frau Feyerabend mit den Plastiksäcken in der Hand betraten, war Thomas etwas enttäuscht. Die Küchenzeile stand lediglich halb montiert mitten im Wohnbereich. Das Sofa stand noch verpackt daneben. Wenigstens war die Wohnung frisch tapeziert und gestrichen. „Da fehlen ja die Fußleisten und die Lampen“, stellte Herr Schaffernicht fest. Thomas schaute ins Schlafzimmer und stellte erleichtert fest, dass das Bett fertig montiert war. „Ich frag mal den Hausmeister wo die sind. Als nächstes müssen wir uns um den Strom kümmern. Wahrscheinlich muss Frau Feyerabend ein Darlehen für die Stromschulden beantragen.“ Bei einer monatlichen Rückzahlungsrate von 50 Euro würde Frau Feyerabend grob überschlagen 20 Jahre für den Umzug und die Folgekosten zahlen müssen. Hoffentlich lebte überhaupt noch so lange. Wer die Kosten für den Kammerjäger übernahm war Thomas nicht klar. Es war vermutlich wie in der Kneipe. Wer bestellte musste auch bezahlen. Die Wohnungsbaugesellschaft würde allerdings versuchen sich das Geld von der Mieterin zurückzuholen. Zum Glück hatte er damit nichts mehr zu tun. Er rief in der Werkstatt für Behinderte an und ließ sich mit dem Gruppenleiter verbinden. Da sie gestern nicht fertig geworden waren wollten sie morgen weitermachen. Ohne Schlüssel wären sie heute nicht in die Wohnung gekommen. Das war richtig, musste Thomas einräumen. Herr Schaffernicht versprach die Handwerker morgen früh hereinzulassen. Thomas trug die Transportbox mit der Katze in die Wohnung und überließ es Herrn Schaffernicht die Türe zu öffnen. Das Tier flitzte sofort hinter das Sofa, um sich zu verstecken. Nachdem die restlichen Sachen samt Katzenklo und Futter ausgeladen waren verabschiedet sich Thomas. Herr Schaffernicht bedankte sich und ging mit dem Hund spazieren. Merkwürdigerweise stellte sich bei Thomas kein Gefühl der Erleichterung ein. Es war vielmehr ein Gefühl der Leere. Er kannte das von Prüfungen und Projekten, die viel von ihm verlangt hatten. In ein paar Tagen würde er klarer sehen und die Geschehnisse richtig einordnen können. Immerhin war das Ziel die Wohnung vom Ungeziefer zu befreien geglückt. Frau Feyerabend würde bestimmt bald entlassen werden und die beiden könnten es sich in ihrer Wohnung gemütlich machen. Er würde jetzt noch eine Weile mit Berichten und der Wiederherstellung des Stromanschlusses beschäftigt sein. So schlecht war es unter dem Strich doch gar nicht gelaufen, entschied er.

Am nächsten Tag telefonierte er mit mit Herrn Bruchtal von der Wohnungsbaugesellschaft. Die Fußleisten würden demnächst moniert und die Mieterin schriftlich über den Termin informiert. Thomas bedankte sich und bat ebenfalls über den Termin informiert zu werden. Das würde er als Anlass nehmen das Paar zu besuchen und Frau Feyerabend noch den Antrag für das Darlehen für die Stromschulden unterschreiben zu lassen. Das Telefon klingelte kurz nachdem er das Gespräch beendet hatte erneut. Thomas hasste Büroarbeit. Den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen war ihm ein Greul. Zu seine großen Überraschung war Frau Feyerabend am Telefon. „Hallooo, rief sie gut gelaunt ins Telefon. Ich bin noch im Hotel Gitterblick. Mein Verteidiger ist aber bester Dinge, dass ich bald wieder raus komme. Die wollen wohl ein paar Strafen bündeln oder so etwas. Er sitzt hier gerade neben mir, wenn Sie ihn sprechen wollen.“ Thomas ließ sich den Verteidiger geben und fragte wie lange Frau Feyerabend noch in Haft sei. Dieser antwortete: „Schwer zu sagen. Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Ich denke wir kommen unter 6 Monaten weg. 4000 Eigentumsdelikte sind kein Klacks.“ Thomas wusste, dass bei Haftstrafen über 6 Monaten keine Mietzahlungen durch die Ämter übernommen wurden. Eine Haftstrafe über diesen Zeitraum hinaus bedeutete den Wohnungsverlust aufgrund von Mietschulden. Thomas bedankte sich und ließ sich Frau Feyerabend zurückgeben. Er bat sie die Anträge für die Übernahme der Stromschulden und der Mieten während der Haftzeit zu unterschreiben und an das Sozialamt weiterzuleiten. Da sie dem Arbeitsmarkt im Knast nicht zur Verfügung stand hatte die Zuständigkeit wieder vom Jobcenter zum Sozialamt gewechselt. Das Paar war wirklich ein Fass ohne Boden. Chaotische Klienten und kleinliche Ämter waren die beste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Sozialarbeiter. Als er das Gespräch beendet klingelte es gleich wieder. Das ist ja wie im Call Center, dachte Thomas verärgert. Es war der Gruppenleiter der Werkstatt für Behinderte. Er stand mit seinen Leuten vor der Wohnungstüre des Paares und kam nicht rein. Mist! Thomas wusste nun auch nicht weiter. Er hatte Herrn Schaffernicht gebeten wegen der Handwerker zu Hause zu bleiben. Er würde ihn einfach bitten sich selber mit der Werkstatt wegen des Aufbaus der restlichen Möbel in Verbindung zu setzen. Nach dem ganzen Stress und Chaos der letzten Wochen war er entschlossen es etwas lockerer anzugehen.

Fortsetzung: Letzter Teil

Alles für die Katz Teil 13

Was bisher geschah Teil 12

Frau Hastig mühte sich mit ihrem alten Hollandrad den Hügel hinauf. Thomas sah ihr von oben wartend zu. Je näher Frau Hastig kam, desto größer wurde Thomas Skepsis, dass sie sein Problem wurde lösen können. Seit dem Anruf in der Tierklinik war eine Stunde vergangen. Thomas errechnete eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Stundenkilometern für die Strecke. Frau Hastig kam vor der Scheune zum Stehen. Thomas schätzte sie auf etwa 80 Jahre. Sie war etwa 1,60 m groß und ging leicht vornüber gebeugt. Sie begrüßte ihn freundlich und machte sich an dem Fangnetz zu schaffen, das sie an den Rahmen ihres Fahrrades gebunden hatte. Wieso diese alte Frau noch arbeitete? Und dann noch als Tierfängerin? Andererseits gab es in Deutschland fast keine streunenden Tiere. Vielleicht hatte Frau Hastig sie alle in den letzten 80 Jahren eingefangen? Vermutlich arbeitete sie als ehrenamtliche Helferin für den Tierschutzverein, tröstete sich Thomas. Amerikanische Zustände, in denen Greise an Supermarktkassen Lebensmittel einpacken mussten um zu überleben, herrschten hier hoffentlich noch nicht. Thomas nahm die Tasche und das Netz entgegen. Frau Hastig schien sich auszukennen und ging, so zielstrebig wie es ihr möglich war, zum Raum der Katze. An der Glastüre hing ein Zettel mit der Aufschrift „Vorsicht“. Der Raum war durch ein großes Fenster hell erleuchtet und liebevoll mit Kratzbaum und Verstecken ausgestattet. „Sie sitzt immer in der kleinen Höhle auf der Fensterbank. Sie kommt auch nur heraus, wenn niemand im Raum ist. Es ist ein außergewöhnlich scheues Tier. Niemand darf sie streicheln. Am besten wir halten das Netz direkt vor den Eingang der Höhle und locken sie raus“, schlug Frau Hastig vor. Thomas erinnerte sich noch wie flink das Tier gewesen war. Zu flink für eine achtzigjährige Dame. Er schlug deshalb einen Rollentausch vor. Frau Hastig sollte die Transportbox bereithalten und Thomas würde den Tierfänger spielen. „Haben Sie Handschuhe?“, fragte er. Frau Hastig kramte in ihrer Tasche und zog ein paar Arbeitshandschuhe mit extra dickem Leder hervor. Thomas zwängte sich mit großer Mühe hinein und atmete noch einmal tief durch. Gemeinsam pirschten sie in Richtung Fensterbank. Blitzschnell warf Thomas das Netz über den Eingang der Box, die der Katze als Unterschlupf diente. Nichts geschah. Im inneren der Box war es dunkel. „Haben Sie sie. Ist sie da?“, fragte Frau Hastig. „Keine Ahnung. Wie sollen wir sie nun rauslocken?“, fragte Thomas. „Die Box ist unten offen. Sie können sie anheben“, erklärte sie. Mit einer Hand den Stab des Fangnetzes umklammernd versuchte Thomas mit der anderen Hand die Box anzuheben. Da er sie nicht richtig zu fassen bekam. Klemmte er sich den Griff des Netzes unter den Arm und hob mit beiden Händen die Box leicht an. Es erklang ein Fauchen und die Katze zwängte sich durch den entstandenen Spalt. Frau Hastig schrie auf und Thomas ließ vor Schreck das Netz fallen. Mit einem Satz sprang die Katze durch den Raum und hing ganz oben auf einem deckenhöhen Kratzbaum. Die junge Tierpflegerin steckte ihren Kopf durch die Glastüre und sah die fauchende Katze unter der Decke hängen. „Na, antiautoritäre Erziehung, was?“, kommentierte sie und schloss die Türe wieder. Thomas schnappte sich des Netz und ging todesmutig Richtung Katze. Diese zeigte ihre Krallen und sprang zurück auf die Fensterbank. Thomas sprang ihr hinterher. Mit einem fürchterlichen Krachen schlug der Stab des Netzes gegen das Fenster. „Die Scheibe“, schrie Frau Hastig. Thomas kniete vor dem Fenster und hatte kurz die Orientierung verloren. Die Scheibe war ganz und die Katze zappelte im Netz. Gott sei dank, dachte er. „Schnell, bringen Sie die Transportbox“, flechte Thomas Frau Hastig an. Mit zitternden Händen versuchte sie das Türchen zu öffnen. Die Katze zappelte unterdessen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Frau Hastig hielt Thomas nun die Box hin. Der musste nun versuchen den offenen Teil des Netzes über den Eingang zu stülpen ohne das die Katze herausschlüpfte. Blitzschnell versuchte er es. Die Katze wäre beinahe entwischt, wenn er sie nicht mit einem beherzten Griff festgehalten und hinein bugsiert hätte. Trotz der Handschuhe spürte er wie sich sie Beißzähne des Tieres in seiner Hand vergruben. Nachdem die Katze in der Box war sank Thomas erschöpft zusammen. Frau Hastig lobte ihn: „Das haben Sie wirklich ganz toll gemacht. Sie sind der geborene Tierfänger.“ Vielleicht habe ich doch den falschen Beruf ergriffen, dachte er sich. Als er die Handschuhe auszog sah er das gesamte Gebiss der Katze als roten Abdruck auf seiner Hand. Lediglich die Abdrücke der Beißzähne tendierten ins Blaue. „Danke für die Handschuhe Frau Hastig“, bedankte er sich. Selten hatte er es so ehrlich gemeint. Am Ausgang wartete Frau Ungeheuer mit vorwurfsvollem Blick und sagte: „Ich habe mich wirklich mit Liebe und Hingabe um das Tier gekümmert. Aber es war kein Beziehungsaufbau möglich. Diese Tier ist leider vollkommen gestört.“ Leider geht es den Besitzern nicht besser, dachte Thomas und schwieg. Jedes Wort wäre zu viel gewesen. Die Katze war offensichtlich emotional vernachlässigt und lebte unter prekären Bedingungen. Seinen Besitzern ging es nicht besser. Sollte man solchen Menschen verbieten Tiere anzuschaffen? Oder Kinder zu kriegen? Wohl eher nicht. Wenn Lebewesen gequält wurden musste man eingreifen. Doch wo verliefen die Grenzen? Er hatte immer den Eindruck gehabt, dass Frau Feyerabend ihre Tiere liebt, doch mit dieser Katze schien sie überfordert. Da die Katze nicht unterernährt und körperlich misshandelt worden war, beschloss Thomas die Sache auf sich beruhen zu lassen. Von artgerechter Haltung konnte bei Millionen von Haustieren sowieso keine Rede sein. Wenn Thomas das Veterinäramt einschalten würde, wäre es vermutlich vorbei mit der Beziehung zu Frau Feyerabend. Er bezahlte die Rechnung und nahm noch den freudig mit dem Schwanz wedelnden Hund entgegen. Der dürfte bei der Rückfahrt auf dem Beifahrersitz liegen.

Fortsetzung Teil 14

Alles für die Katz Teil 12

was bisher geschah Teil 11

Als die beiden Polizisten das Büro betraten, zeigte der Kaufhausdetektiv mit dem Finger auf Thomas und Frau Feyerabend und sagte: „Das sind die beiden. Der Rechte ist der Sozialarbeiter.“ Thomas schaute ihn irritiert an und wollte zu einer Erklärung ansetzen, doch einer der Polizisten schnitt ihm das Wort ab. „Wir bringen das jetzt schnell und unkompliziert über die Bühne. Sie zeigen uns einfach ihren Tascheninhalt und wir nehmen Ihre Personalien auf. Die Dame ist allerdings eine alte Bekannte. Da brauche ich nur noch das Geburtsdatum. Das kann ich mir einfach nicht merken“, fügte er trocken hinzu. Jetzt schaute Thomas Frau Feyerabend irritiert an, die ihr Gesicht zu einer Grimasse verzog, das mit viel Phantasie als gequältes Lächeln durchging. Ohne viel Aufhebens zog sie zwei Dosen Katzenfutter aus ihrer Jackentasche. Thomas versuchte erneut eine Klarstellung: „Hören Sie. Ich kann das erklären..“ Der Polizist unterbrach in barsch:“ Leeren sie Ihre Taschen und weisen sich gefälligst aus oder wir führen das Gespräch auf dem Revier fort.“ Thomas griff in seine Tasche und zog mit rot glühenden Ohren das Bündel mit den Geldscheinen aus der Tasche. Der Polizist machte große Augen und sagte: „Ich glaube da haben wir einen dicken Fisch an der Angel.“ Der andere Polizist wühlte zwischenzeitlich in Frau Feyerabends Handtasche und zog neben einer weiteren Dose Katzenfutter einen durchsichtige Plastikbeutel mit einer Menge verschiedenfarbiger Tabletten heraus. Er stieß einen Pfiff aus und sagte: „Gewerbsmäßiger Drogenhandel und bandenmäßiger Diebstahl. Ich mach mal eine Abfrage über Funk.“ Thomas stieß empört hervor:“ Das ist doch lächerlich. Ich habe nichts gestohlen und das Geld gehört meinem Arbeitgeber. Ich brauche es für eine Auslöse.“ Der Polizist wurde hellhörig: „Arbeitgeber? Wer sind Deine Hintermänner. Geht es um eine Entführung? Prostitution?“ „Nein. Ich möchte mit dem Geld die Katze von Frau Feyerabend aus dem Tierheim holen“, widersprach Thomas. Der Polizist sah ihn an und fragte spöttisch: „Katze? Für wie blöd hältst Du mich eigentlich.“ Thomas zog es vor nicht wahrheitsgemäß auf die Frage zu antworten. Die Abfrage ergab, dass Frau Feyerabend wegen mehr als 4000 Eigentumsdelikten vorbestraft war und per Haftbefehl gesucht wurde. Gegen Thomas lag erwartungsgemäß nichts vor. Die Polizisten beratschlagten sich und erklärten Frau Feyerabend für verhaftet. Thomas gaben Sie widerstrebend seinen Ausweis zurück. „Da sie bei ihrer Katzengeschichte bleiben und einen festen Wohnsitz haben bekommen Sie demnächst eine Vorladung zur Aufklärung der Angelegenheit“, erklärte der Polizist förmlich. „Und mein Geld?“, erkundigte sich Thomas hoffnungsvoll. Der Polizist sah ihn von oben herab an und sagte: „Das ist beschlagnahmt. Da muss ihr „Arbeitgeber“ mal bei der Staatsanwaltschaft vorsprechen und die Herkunft des Geldes schlüssig erklären.“ Das Wort Arbeitgeber betonte er besonders gedehnt und versah es mithilfe seiner beiden Zeige- und Ringfinger mit imaginären Ausrufezeichen. Hilflos sah Thomas zu, wie sein Geld und Frau Feyerabend abgeführt wurden. „Kann ich hier ein Katzenklo auch mit EC Karte bezahlen?“, fragte Thomas den Kaufhausdetektiv. Dieser machte zum ersten Mal an diesem Tag ein überraschtes Gesicht.

Verzweifelt fuhr Thomas nach Hause. Er hatte seine Klientin und das Geld verloren. Genau genommen waren sie nicht weg, sondern woanders, beruhigte er sich. Er würde über kurz oder lang beides zurückbekommen und musste morgen einfach improvisieren. Eine Absage des gesamten Umzugs kam einfach nicht in Frage. Die Kosten würden ins Unermessliche steigen. Er würde einfach sein Sparbuch plündern und die Tiere Herrn Schaffernicht übergeben. Den Wohnungsschlüssel hatte er ja noch.

Am nächsten morgen machte Thomas sich auf den Weg in das Tierheim. Er hatte sein Sparbuch geleert und sein Konto überzogen. Sein Zeitplan war schon schon um zwei Stunden überschritten. Er gab Gas, damit er noch rechtzeitig vor der zweistündigen Mittagspause die Katze entgegen nehmen konnte. Die Tierpension „Pets Paradise“ lag in einem dörflichen Stadtteil außerhalb der Kleinstadt und war in einem Aussiedlerhof untergebracht. Sie kooperierte mit der Tierklinik in der nahen Kleinstadt, in der Thomas die Katze und den Hund vor mehreren Wochen abgegeben hatte. Nach der Impfung und Untersuchung waren die Tiere hierher gebracht worden. Eine alte Scheune war durch einen modernen Zweckbau ergänzt worden. Reguläre Parkplätze gab es nicht, aber auf einer Wiese gegebüber dem Gebäude standen zwei Autos. Er stellte sich daneben. Beim Öffnen der Türe strömte ein scharfer Geruch von Gülle herein. Luftkurort? Eher Kuhluftort, dachte er verächtlich. Beim Aussteigen spürte er etwas Weiches unter seinen Fußsohlen. Mist! Braune Masse quoll über seine Turnschuhe aus Stoff. Gegen die Gefahren der Stadt war er gewappnet. Die Gefahren auf dem Land waren ihm fremd. Während er notdürftig seine Schuhe im Gras reinigte, spähte er vorsichtig nach dem Tier, das für diese Falle verantwortlich sein könnte. Er hatte keine Lust auf wildgewordene Stiere. Sogar Kühe und Pferde waren ihm wegen ihrer Größe etwas unheimlich. Er wusste, dass das unlogisch war und ein bissiger Hund gefährlicher war als eine Milchkuh, aber Ängste waren nun mal nicht immer logisch. Agressive Hunde gab es in der Stadt zur Genüge. Meistens reichte es aus seinen Fluchtinstinkt zu unterdrücken und ruhig zu bleiben, um aus so einer Nummer unbeschadet herauszukommen. Beruhigt stellte er fest, dass weit und breit kein Tier zu sehen war. Er würde heute wohl nicht den Torero geben müssen. Thomas betrat das Gebäude. Es gab abgetrennte Räume von etwa zehn Quadratmetern und mehr, die durch Glastüren verschlossen waren. Er spähte in den ersten Raum und sah Futternäpfe und Tierspielzeug. Ein Tier sah er nicht. Eine junge Frau bog um die Ecke und Thomas sprach sie an: „Ich suche Frau Ungeheuer. Ich möchte die Katze und den Hund von Frau Feyerabend abholen“. „Ah. Sie wollen Hanibal abholen“, erwiderte sie. „Hanibal?“, fragte Thomas. Nach seiner Erinnerung trug die Katze einen anderen Namen. „Bekommen die Tieren hier Namen nach hisorisch antiken Vorbildern? Platon, Cäsar und so?“, erkundigte er sich. „Ne. Spitznamen bekommen hier nur die ganz besondere Tiere. Die Inspirationsquelle war „Das Schweigen der Lämmer“. Ich geh mal das Ungeheuer suchen“, antwortete die Junge Frau und verschwand wieder. Thomas wusste nicht, ob sie die Katze oder ihre Kollegin meinte. Auf jeden Fall schien die junge Frau nicht ganz richtig zu ticken. Nach kurzer Zeit kam eine Frau mittleren Alters mit versteinerter Miene auf Thomas zu und fragte unfreundlich: „Sie wollen die Tiere holen und bezahlen?“ „Ja. Sind sie schon transportfähig?“, erkundigte sich Thomas höflich. „Das ist ihre Sache. Ich fasse die Katze nicht an“, teilte die Frau, bei der es sich offensichtlich um Frau Ungeheuer handelte, mit. Jetzt wurde es Thomas langsam zu bunt. Er antworte säuerlich: „Ich bin nur der Fahrer. Wenn es nichts zum Abholen gibt nehme ich das Geld wieder mit. Gibt es denn kein Personal von der Tierklinik, das sowas machen kann?“ Wortlos drehte sich Frau Ungeheuer um und ließ Thomas stehen. Seufzend schaute sich Thomas um und überlegte was er tun sollte. Bevor er aufgab würde er es selber versuchen müssen. Aus den Filmen seiner Kindheit wusste er, dass Tierfänger früher mit Netzen unterwegs waren. Die drei kleinen Strolche wurden immer von solchen Tierfängern gejagt, die Netze wie die Schmettlingsjäger benutzen. Als er die Narben auf seiner Hand betrachtete fiel im noch ein, dass er Handschuhe benötigen würde. Er begab sich auf die Suche nach der jungen Frau, um sie mit seinen Ausstattungswünschen zu konfrontieren. Die junge Frau teilte ihm mit, dass gleich Frau Hastig aus der Tierklinik käme, um sich der Sache anzunehmen. Handschuhe und Fangnetze wurden sicherheitshalber telefonisch nachbestellt.

Fortsetzung Teil 13

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